Charlotte Ehrt verwertet Stoffreste, ungeliebte Pullis oder ausrangierte Hemden mit viel Phantasie und Kreativität zu  individuellen Kuscheltieren und textilen Unikaten. Im sockshype-Interview berichtet sie über ihre Geschäftsidee, die sie unter dem Label Ehrtweibchen betreibt.

Hallo Charlotte, erzählst du uns ein wenig über dich?

verwertet Stoffreste - Stoffreste werden zugeschnitten  Charlotte Ehrt verwertet Stoffreste zu phantasievollen Kuscheltieren

Charlotte verwertet Stoffreste

Wann und wo hast du nähen gelernt?

Als Autodidaktin habe ich vor 8 Jahren angefangen, aus meinen alten Kleiderkaufsünden verrückte Stofftiere zu nähen. Seit damals wächst der Erfahrungsschatz mit jedem neuen Auftrag.

Wo holst du dir die Inspirationen zu deinen einmaligen Kreationen?

Da kommt so ein kleines, flauschiges Ding angeflogen, setzt sich auf meinen Kopf und flüstert mir Sachen zu.

Monster, Handpuppen, Geflügel, Klein- und Meerestiere, Wild, Maultaschen und Extrawurst, so stellst du auf deiner Internetseite dein genähtes Repertoire vor. Darunter befinden sich nicht nur ausgefallene Kinderkuscheltiere. Was findet man bei dir sonst noch und für welche Zielgruppe hast du diese Sachen entworfen?

Eine klar umrissene Zielgruppe gibt es gar nicht. Meine Kunden finden sich in jeder Altersgruppe: Wer auf Monster und Viecher steht oder einfach ein Faible für ausgefallene Plüschtiere und die Ästhetik alter Stoffe hat, wird bei mir fündig.

Die „Extrawürste“ zum Beispiel sind reine Sonderanfertigungen. Wenn sich also jemand eine Katze mit Schnabel wünscht oder die Kita-Gruppe „Flöhe“ eine passende Handpuppe braucht, dann stelle ich mich gerne der Herausforderung.

 

Charlotte verwertet Stoffreste - Es entstehen Pläne für ein neues Stofftier.  Charlotte Ehrt verwertet Stoffreste zu phantasievollen Kuscheltieren

Du verwendest keine neuen Stoffe, sondern hauchst alten Pullis oder Hemden ein neues Leben ein und fertigst daraus all deine tollen Unikate. Worin siehst du den Vorteil des Textilrecyclings grundsätzlich und speziell bei deinem originellen Repertoire?

Mir ist ein ressourcenschonender Umgang mit Materialien sehr wichtig. Als Gestalter von Produkten hat man da auch eine Verantwortung.

Stoffe, die ihr erstes Leben als Kleidung, Vorhang oder Kissen hinter sich haben, bekommen bei mir eine neue Aufgabe. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass viele alte Stoffe robuster sind als neue und zudem hautverträglicher und schadstoffärmer, weil sie schon viele Waschgänge mitgemacht haben.

Die alten Stoffe verleihen meinen Tieren einen ganz eigenen Charme – ihre unterschiedlichen Texturen und Muster werden zu einem meiner Gestaltungsmittel.

Wie müssen die Stoffe, die du für die Umsetzung eines neuen Monsters, einer Handpuppe etc. benötigst, beschaffen sein?

In erster Linie farbenfroh, einfarbig oder bunt gemustert, nicht zu dünn, robust und größtenteils unversehrt.

Ich habe aber auch schon Hawaiihemden in Tintenfische verwandelt und Quallen aus Dessous gemacht.

Gibt es ein Objekt, das dir besonders ans Herz gewachsen ist?

Meine ersten zwei Monster sind fester Bestandteil meiner Kuscheltiersammlung. Die gebe ich nicht mehr her!

Charlotte verwertet Stoffreste - Zwei Kuschelmonster  Charlotte Ehrt verwertet Stoffreste zu phantasievollen KuscheltierenDu hast einen Bachelor-Studiengang als Industriedesignerin mit dem Schwerpunkt Spiel- und Lerndesign abgeschlossen. Was macht denn ein richtig gutes Kuscheltier aus?

Es muss Charakter haben und mir einen Blick rüberwerfen, der mir sofort eine Emotion entlockt. Dieser erste Kontakt sichert eine lange Freundschaft.

Mir selbst kommt es auf eine neue eigene Ästhetik an. Indem ich die natürliche Form der Tiere abstrahiere und die Flächen eines Schnittmusters einteile, gebe ich den einzelnen Stoffen einen Raum, um zu wirken und gemeinsam ein spannungsvolles Ganzes zu ergeben.

Dann muss das Material beim Anfassen angenehm sein und die Zuversicht geben, langlebig und hautfreundlich zu sein.

Haben sich durch das erworbene Wissen im Studium deine Objekte verändert?

Im gestalterischen Sinne auf jeden Fall. Handwerklich ist es vor allem die langjährige Erfahrung im Umgang mit Textilien, die mit einfließt.

Nähst du deine Monster und Viecher alle selber oder hast du helfende Hände?

Nach wie vor mache ich alles selbst. Die Entstehung eines Tieres macht mir unglaublich viel Spaß, wie es langsam Form annimmt und einen Charakter bekommt – ein Prozess, der mich immer wieder fasziniert.

Charlotte verwertet Stoffreste - für das Chromosomen-Spielzeug wird neuer Stoff verwendet.  Charlotte Ehrt verwertet Stoffreste zu phantasievollen Kuscheltieren

Für die Chromosomen-Spielzeuge verwertet sie keine Stoffreste, sondern neue Stoffe.

Nur meine kleinen Stoffspielzeuge „Chromosome“ habe ich dieses Jahr in einer Näherei fertigen lassen. Das war sehr aufregend für mich, die Arbeit mal aus der Hand zu geben. Hierbei kamen ausnahmsweise mal neue Stoffe in Bio-Qualität zum Einsatz. Denn leider entsprechen recycelte Stoffe nicht der CE-Richtlinie für Spielzeuge. – Ein Thema, das zeigt, wie schnell einem so wichtigen und nachhaltigen Thema wie Textilrecycling durch EU-Richtlinien und Gesetze ein Riegel vorgeschoben wird.

Welche Pläne hast du für deine Ehrtweibchenzukunft?

Die Weltherrschaft für meine Monster und für mich nur einen kleinen Posten als Präsidentin des Ministeriums für groben Unfug. Dann möchte ich eine eigene Unterhosenkollektion entwerfen.

Charlotte verwertet Stoffreste - Charlotte ehrt mit Monsternackenrolle  Charlotte Ehrt verwertet Stoffreste zu phantasievollen Kuscheltieren

Liebe Charlotte, vielen Dank für das wundervolle Interview.

Fotos – Herkunft: Ehrtweibchen, Urheber: Charlotte Ehrt, Larissa Meyer (Fotos von der Produktion)

Bald ist Ostern.

Zeit, kreativ zu werden.

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