Die Strickdesignerin Martina Behm entwirft wunderbare Tücher mit Namen wie den „Hitchhiker“, „Nuvem“, „Leftie“, „Miss Winkle“

Ihre leicht verständlichen Anleitungen hierzu werden von tausenden Strickern und Strickerinnen auf der ganzen Welt genutzt, um  mit einer tollen Wolle eines der originellen Tücher nachzustricken.  Barbara hat die in Hamburg lebende Martina Behm interviewt.

Martina Behm auf sockshype martina behm Designerin Martina Behm im Interview

Naiada: ein schlichtes, aber schönes Lacetuch aus einem relativ dicken Garn

Martina ich freue mich sehr, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen und wahrscheinlich haben Sie meine erste Frage schon hunderte Male beantwortet. Aber die Antwort auf die Frage: „Wie und wann haben Sie angefangen zu stricken?“ interessiert mich sehr.

Ich war 8 Jahre alt und zu Besuch bei meiner Oma. Sie hat mir gezeigt, wie man rechte Maschen strickt und wir haben am gleichen Nachmittag noch einen kleinen Puppenschal in kraus-rechts fertig bekommen. Seitdem ist das immer noch mein Lieblingsmuster!

In Ihrem Buch „Stricken macht schön“ schreiben Sie, dass Stricken nicht nur schön macht, sondern nennen noch viele andere Gründe, warum man unbedingt stricken sollte. Was sind Ihre ganz persönlichen Gründe?

Stricken bedeutet für mich Feierabend, meine kleine persönliche Auszeit. Der andere Aspekt ist, dass ich gerne etwas erschaffe, Ideen umsetze und dann ein greifbares Ergebnis in den Händen halte. Das ist einfach toll!

Sie haben durch Ihre Lesungen zu Ihren beiden Strickmich Anleitungsbüchern und dem oben genannten Buch „Stricken macht schön“ auch direkten Kontakt zu vielen Strickern  der Martina-Behm-Tücher. Was reizt die Frauen und die leider wenigen Männer, Tücher nach Ihren Anleitungen zu stricken?

Meine Anleitungen sind ganz einfach zu stricken, aber das Ergebnis ist originell und trägt sich sehr angenehm – ich denke, genau das ist es, was viele Strickerinnen in ihren Projekten suchen. Außerdem sind viele speziell für buntes, handgefärbtes Garn entworfen, das – aus meiner Sicht – völlig zu recht so beliebt ist.

Sie haben eine Vielzahl von wunderschönen Tüchern entworfen. Woher nehmen Sie die Inspiration für ein neues Tuch? Haben Sie zunächst eine bestimmte Wolle im Blick, die Sie zu einem Tuch inspiriert oder entwickeln Sie erst die Idee zu einem Tuch und wählen dann eine passende Wolle aus?

Halbe-halbe: Manchmal gibt es da eine Form, eine Skizze, und ich habe dann ungefähr im Kopf, was für eine Art Garn oder Farbe ich dafür möchte. Aber es passiert mir auch sehr oft, dass da ein wunderschönes Garn ist, das unbedingt etwas werden möchte. Bei meiner Pulloveranleitung „Joanie“ war das so: Ich hatte dieses herrliche dunkelrote Garn, das unbedingt ein Zopfpullover werden musste. Und da ich keine Anleitung fand, die meinen Vorstellungen entsprach, habe ich eben selbst eine entwickelt.

Martina Behm auf sockshype martina behm Designerin Martina Behm im Interview

Martina Behm: „Und beim Anlegen gibt es immer diesen kleinen Moment, in dem man seine Flügel ausbreiten und für einen Moment lang so tun kann, als wäre man ein Engel, der kurz davor ist abzuheben und dieser Welt Gutes zu tun.“

Sie haben gerade eine Anleitung zu einem neuen Tuch herausgegeben. „Be my Angel“ hat eine ganz spezielle Tuchform. Ausgebreitet wirkt es wie Engelsflügel. Welche Vorteile hat diese besondere Form?

Mit nur 125 Gramm Garn bekommt man eine enorme Gesamtlänge, so dass sich das Tuch wunderbar mehrfach um den Hals wickeln lässt. Die kleine Lücke, wo die Flügel aufeinandertreffen, bewirkt, dass man trotzdem keine großen Wülste am Hals oder im Nacken hat. Es ist also auch ganz praktisch!

Wie viele selbstgestrickte Tücher liegen eigentlich im Kleiderschrank von Martina Behm und tragen Sie sie alle?

Ich habe noch alle meine Modelle, es sind glaube ich ungefähr 20, bis auf „Brickless“ – das habe ich einer Freundin geschenkt, weil ihr die Farbe des Garns so gut gefiel. Alle anderen Tücher trage ich regelmäßig, ganz nach Laune. Im Moment ist mein gestreifter „Ecken + Kanten“ mein Lieblingstuch, weil die Farben mir so gut stehen. Und mein neues „Be my Angel“ trage ich auch oft, weil das Garn so eine herrlich weiche Merino-Seidenmischung ist.

Stricken Sie eines Ihrer Tuch auch zweimal?

Ich stricke ganz oft noch Mini-Versionen für meine kleine Tochter, um zu testen, ob die Anleitung auch stimmt. Den „Hitchhiker“ habe ich insgesamt fünfmal gestrickt, das ist so ein tolles Nebenbei-Projekt. Und „Ecken + Kanten“ habe ich dreimal gemacht, denn meine Männer brauchten auch etwas Warmes für den Winter!

Stricken Sie auch Dinge, die Sie nicht veröffentlichen?

Selten. Ich habe mir irgendwann vorgenommen, für alles, was ich mir ausdenke, auch eine Anleitung zu schreiben, alles andere wäre ja Ideenverschwendung! Nur, wenn es mir im Nachhinein zu kompliziert erscheint oder ich selbst von dem Ergebnis nicht so überzeugt bin, bleibt es mal bei einem Prototyp.

Ich hoffe, diese Frage ist nicht zu persönlich. Aber als berufstätige Mutter, Ehe- und Hausfrau würde mich schon interessieren:  Sie schreiben Bücher. Sie halten Lesungen, Sie stricken und entwerfen neue Anleitungen. Sie haben einen Blog und zudem eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Als freie, unabhängige Strickdesignerin habe ich das große Glück, dass ich nur selten auf Veröffentlichungstermine Rücksicht nehmen muss. Wenn ein Kind krank wird, wird die nächste Anleitung eben eine Woche später fertig. Diese Freiheit nimmt schon mal ganz viel Druck aus dem Alltag. Meine Kinder sind tagsüber in Schule und Kita, so dass ich zwischen 8 und 14 Uhr ein bisschen Haushalt machen und in Ruhe arbeiten kann: Fragen von Strickerinnen beantworten, Anleitungen entwickeln und schreiben, Layouts machen, Fotos schießen, mich um Organisatorisches kümmern.

Meine Modelle stricke ich meistens abends auf dem Sofa, während mein Mann und ich DVDs gucken.

Er unterstützt mich übrigens nicht nur im Alltag mit den Kindern, sondern kümmert sich jetzt auch um unser neues Projekt „Strickmich! Club“.

Bei meiner Aufzählung zu Ihren vielfältigen Beschäftigungen habe ich Ihr neuestes Projekt noch nicht erwähnt: den Strickmich! Club.  Was ist darunter zu verstehen und wer kann im Strickmich! Club mitmachen?

Der „Strickmich! Club“ funktioniert nach dem Vorbild amerikanischer Woll-Clubs und ist ein Abonnement für vier neue Anleitungen von mir plus jeweils einen Strang speziell dafür handgefärbten Garns. Wir arbeiten mit ganz tollen Färberinnen zusammen: DyeforYarn, Wollkenschaf, welthase und Rohrspatz & Wollmeise haben jeweils zugesagt, eine Lieferung mit ihrer Wolle zu bestücken. Die Anmeldung läuft noch bis zum 6. Dezember auf der Club-Webseite.

Liebe Martina, ich danke Ihnen sehr für dieses nette Interview. Schon bei meinen Recherchen ist mir klar geworden, dass Sie mit Ihren guten Anleitungen zu den hinreißenden Tüchern und ihren tollen Büchern, sowie nun auch mit dem Strickmich! Club wichtige Anliegen verfolgen:

„Stricken macht schön, und schlau natürlich auch. Stricken macht den Kleiderschrank und das Leben bunter, Stricken schafft Freundschaften mit spannenden Menschen und sorgt für ein eindeutiges gemeinsames Feindbild (Motten!). Stricken hilft, wenn einem alles anderes über den Kopf zu wachsen droht. Stricken spendet Wärme und ist ganz sicher gesünder als der Umgang mit der Stichsäge. Lauter gute Gründe, sofort damit anzufangen!“ (Kurzbeschreibung zu Martina Behms Taschenbuch Stricken macht schön)

Martina Behm auf sockshype martina behm Designerin Martina Behm im Interview

Kraus rechts: Einfach, von beiden Seiten hübsch anzusehen und eine tolle Art, buntem Sockengarn einen großen Auftritt zu bieten: Ein Tuch mit Namen Hitchhiker.

Martina Behm auf sockshype martina behm Designerin Martina Behm im Interview

Martina trägt das Tuch Miss Winkle lässig um den Hals.

Martina Behm auf sockshype martina behm Designerin Martina Behm im Interview

22 Little Clouds: Ein Dreieckstuch mit schön langen Enden, das man hervorragend mehrmals um den Hals wickeln kann

Martina Behm auf sockshype martina behm Designerin Martina Behm im Interview

Die Streifen des Tuches Leftie ringeln sich attraktiv um den Hals von Martina Behm. winzige Blätter unterstreichen die leuchtenden Farben der handgefärbten Wolle.

Martina Behm-2 martina behm Designerin Martina Behm im Interview

Lintilla, ein länglich-asymmetrisches Dreieckstuch mit einer geschwungenen, ganz dezent gerüschten Kante, die durch verkürzte Reihen entsteht.

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