„Bei meinen Garnen ist es wie bei meinen Kindern – jedes hat seine Besonderheiten und jedes ist liebenswert.“ so erzählt mir Färberin Julitta Bolender, als ich sie nach ihrem Lieblingsgarn frage. Dabei hat sie aktuell viele ungefärbte, bereits versponnene Garne im Angebot ihres Shops Julies Wollkörbchen. Im Interview erfahren wir von ihren Färbeanfängen, den tollen Färbenachmittagen in ihrem Garten und ihrem sozialen Engagement.

Julies Wollkörbchen - Julitta Bolender - Interview - Wolle  Färberin Julitta Bolender – Julies Wollkörbchen – im InterviewHallo Julitta, ich freue mich, dass du Lust auf ein Interview hast und wir ein wenig über dich als Färberin erfahren dürfen.

Erzählst du uns zunächst ein bisschen über dich? 

Ich lebe mit meiner Familie und Border Collie Mischlingshündin Mia in dem kleinen Ort Rheinhausen direkt am Rhein zwischen Mannheim und Karlsruhe. Wenn ich morgens mit meinem Hund spazieren gehe, kann ich über den Rhein in die schöne Pfalz schauen, denn ursprünglich komme ich aus dem Dahner Felsenland im Pfälzer Wald. Ich bin seit fast 30 Jahren mit meinem Mann Edgar verheiratet und wir haben drei gemeinsame Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. In den letzten Jahren hatten wir auch mehrere Gastkinder aus der ganzen Welt in unserer Familie aufgenommen. Sie lebten zwischen zwei Wochen und 16 Monaten bei uns in der Familie mit und ich bezeichne sie gerne als meine internationale Großfamilie. Möglich macht dies die Austauschorganisation Experiment e. V. für die ich mich seit ca. 10 Jahren ehrenamtlich engagiere. Ich wollte schon immer eine große Familie haben und das ist mir so auch gelungen. Meine Kinder sind inzwischen erwachsen, so dass ich nun viel Zeit habe für Hobbies und so konnte ich im August 2010 einen zweiten Lebenstraum in die Tat umsetzen und habe meinen kleinen Wolleladen im Keller eröffnet.

Du beherrscht vielfältige Handarbeitstechniken. Wie hast du Stricken, Häkeln und Nähen gelernt?

Gestrickt wurde bei uns zu Hause immer. Meine Mutter hatte ständig ein Paar Socken auf den Nadeln und strickte schon beim Frühstück, was ich übrigens heute auch so mache. Häkeln habe ich in der Schule gelernt. Dort standen auch Stricken und Nähen auf dem Programm. Ich fand die Projekte dort nicht allzu interessant und die Lehrerin konnte damals auch keinen Spaß am Handarbeiten vermitteln. Erst nach der Schule habe ich wieder intensiv Pullis und Schals gestrickt. Das Nähen habe ich entdeckt als meine Kinder auf die Welt kamen. Da habe ich viele tolle Kindersachen genäht vom einfachen Höschen bis zum Schneeanzug.

Du bezeichnest dich selber als ein wenig perfektionistisch. Wie wirkt sich das bei deinen Handarbeiten aus?

Eigentlich bin ich nicht wirklich perfektionistisch, sondern folge eher meinen spontanen Ideen. Wenn ich allerdings in meinen Handarbeiten einen Fehler entdecke, wird geribbelt, auch wenn es noch so weh tut. Wenn ich Socken aus herkömmlicher bedruckter Sockenwolle stricke, so muss der rechte Socken exakt mit dem linken Socken übereinstimmen. Da wird also der Knäuel so lange aufgerollt, bis ich wieder an der gleichen Stelle anfangen kann. Hier kommen mir die handgefärbten Garne sehr entgegen, da sie keinen Rapport haben.

Das sind sicher gute Voraussetzungen, um deine Erfahrungen weiterzugeben. Gibst du auch Kurse?

Ich gebe meine Erfahrungen an meinen Stricknachmittagen weiter. Manchmal biete ich auch Workshops zu bestimmten Themen.

Klick aufs Bild und es wird groß

Du bietest in deinem Verkaufsraum bei dir zu Hause bzw. im Onlineshop Garne vieler Hersteller an. Wie bist du auf die Idee gekommen, selber Wolle zu färben?

Eigentlich war das Färben zuerst da. Schon zwei Jahre vor Eröffnung meines Online-Shops habe ich angefangen Wolle zu färben, angeregt durch eine Yahoo-Gruppe. Ich habe einiges ausprobiert wie Ostereierfarben, das Getränkepulver Kool Aid, Farbstoffe aus der Natur und dann auch die Säurefarben, bei denen ich dann letztendlich hängen geblieben bin. Da ich irgendwann mehr gefärbt habe, als ich selber verstricken konnte, wurden die Stränge an strickbegeisterte Freundinnen verschenkt. Bald bestellten sie die Garne bei mir und so wurde ich zum Kleinunternehmer. Anfang 2010 fiel mein Job als Technische Zeichnerin der damaligen Wirtschaftskrise zum Opfer und ich nutzte die Gelegenheit um mir den Traum vom eigenen Wollegeschäft zu erfüllen, denn hier zeigte sich gerade ein Boom an.

Julies Wollkörbchen - Julitta Bolender - Interview - Wolle  Färberin Julitta Bolender – Julies Wollkörbchen – im Interview

Castsilk

Was fasziniert dich am Wollefärben?

Es macht einfach Spaß mit den Farben zu spielen und schüttet sicherlich einiges an Glückshormonen aus. Spannend ist es, die verschiedenen Garne zu färben, denn jede Faser verhält sich anders und so können trotz gleichem Farbtopf ganz unterschiedliche Farbnuancen rauskommen. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt und das gefällt mir.

Julies Wollkörbchen - Julitta Bolender - Interview - Wolle  Färberin Julitta Bolender – Julies Wollkörbchen – im Interview

Wunderschöne Färbungen aus Julies Färbeküche

Wir haben ja schon einige Färber kennengelernt, jede hat ihre eigene Färbehandschrift. Wie würdest du deine handgefärbten Garne bezeichnen?

Ich färbe nach Lust und Laune. Ich denke, eine besondere Handschrift ist bei mir nur schwer zu erkennen. Inspiriert werde ich allerdings oft durch die Jahreszeiten, Urlaubseindrücke oder Lebensereignisse. Die Färbung „Blaues Meer“ und „Sommer, Sonne, Strand“ sind z. B. im Urlaub entstanden. „Indian Summer“ und „Früchtesorbet“ erinnern an bestimmte Jahreszeiten. Die Färbung „Melbourne“ habe ich für eine Kundin in Australien gefärbt und für die Färbung „Himmelstürmer“ hat mich ein Gleitschirm in den Bergen inspiriert.

Du gehörst zum exklusiven Kreis der Pascuali-Partnerfärberinenn. Wo hast du Paul Pascuali kennengelernt und was ist für die das Besondere an seinen Garnen.

Ich hatte die Pascuali Wolle schon seit längerer Zeit auf meiner Wunschliste. Paul Pascuali habe ich im letzten Jahr auf einem Wollfest getroffen und später auf der Handarbeitsmesse in Köln. Er geht andere Wege als die meisten Wolleanbieter und fair gehandelte Garne sind ihm genau so wichtig wie mir. Ich bin sehr froh, die tollen Pascuali Garne färben zu dürfen.

Deine Kundinnen können bei dir nicht nur Stricken lernen, sondern du weist sie auch in die Kunst des Färbens ein. Wie läuft das ab?

Meine Färbenachmittage finden meistens an Samstag Nachmittagen in den Sommermonaten statt. Die Teilnehmerzahl ist auf fünf begrenzt. Da ich die Wolle schon einen Tag vorher vorbereiten muss, geht das nur mit Voranmeldung. Die KundInnen bekommen von mir eine Liste mit den zur Verfügung gestellten Garnen und können daraus die Stränge auswählen, die sie färben wollen. Gefärbt wird in meinem Garten und bei schlechtem Wetter unter meiner Terasse. Ich stelle den Kundinnen ihre Wunschfarben zur Verfügung und zeige ihnen die verschiedenen Färbetechniken. Dann dürfen die FärberInnen selber loslegen und ihre Kreativität ausleben. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Farbkombinationen so zustande kommen und am Ende schaue ich in glückliche Gesichter. Während das Garn fixiert wird gibt es Kaffee und selbstgebackenen Kuchen auf meiner Terrasse.

Julies Wollkörbchen - Julitta Bolender - Interview - Färbenachmittag  Färberin Julitta Bolender – Julies Wollkörbchen – im Interview

Färbenachmittag im Julittas Garten

Wer jetzt Lust hat, an einem deiner Färbenachmittage teilzunehmen, wo erfährt man davon und wie kann man sich anmelden?

Die Färbenachmittage lege ich meistens im Frühjahr fest. Die Termine sind auf meiner Shopseite „Strick- und Färbenachmittage“ zu finden. Gruppen von 3 bis 5 Personen können auch einen Sondertermin mit mir vereinbaren.

Von Hand färben bedeutet für dich auch, anderen etwas abgeben. Unter dem Titel „Ein Wollkörbchen voll Liebe“ findet man auf der Internetseite vom Kinderhospiz Sterntaler e. V. einen Beitrag, in dem über deinen Besuch vor Ort berichtet wird. Wie unterstützt du den Verein?

Julies Wollkörbchen - Julitta Bolender - Interview - Spendenübergabe  Färberin Julitta Bolender – Julies Wollkörbchen – im Interview

Julitta bei der Spendenübergabe von Lagerkissen in Bärenform

Schon seit ich meine handgefärbten Garne verkaufe, spende ich einen Teil des Erlöses an das Kinderhospiz in Dudenhofen. Ich hatte durch eine andere Spendenaktion die Gelegenheit die umgebaute Mühle zu besichtigen und war fasziniert von der Idee schwerkranken Kindern und ihren Eltern hier einen Ort des Auftankens, Abschied nehmens und gemeinsamen Trauerns zu schaffen. Eine der dort beschäftigten Schwestern gehört zu meinem Kundenkreis und so habe ich auch den direkten Kontakt.

Was konnte mit den Erlösen aus deinen Aktionen bereits angeschafft werden?

Im ersten Jahr habe ich einfach das Geld gespendet. Da das Kinderhospiz vieles aus Spendengeldern finanzieren muss und manche von den Schwestern gewünschten Anschaffungen aus finanziellen Gründen nicht möglich sind, habe ich dann begonnen Sachspenden in Absprache mit der Pflegedienstleitung zu übernehmen. So konnte ich mittlerweile verschiedene Lagerungskissen, einen Bollerwagen für Ausflüge, einen Schrank für die Unterbringung von Dingen für die Trauerarbeit mit den Geschwistern, einen fahrbaren Tisch für die medizinische Versorgung der Kinder und verschiedene Öle für die Aromatherapie finanzieren.

Du vertreibst deine Garne bei dir daheim in einem Verkaufsraum und in deinem Onlineshop. Wer nicht gerade bei dir in der Nähe wohnt, aber die Farben live anschauen und die Garne anfühlen möchte,  findet dich auf verschiedenen Wollfesten und Hobbyausstellungen. Auf welchen bist du auf jeden Fall zu finden?

Julies Wollkörbchen - Julitta Bolender - Interview - Julitta auf einem Markt  Färberin Julitta Bolender – Julies Wollkörbchen – im Interview

Julitta an ihrem Stand auf einem Wollmarkt

In diesem Jahr bin ich bis jetzt bei den „Aschaffenburger Wollträumen“ und beim „Schwabsburger Wollfest“ zu finden.

Liebe Julie, vielen Dank für das schöne Interview mit vielen Einblicken, nicht nur zum Wollefärben. Wir wünschen dir weiterhin viel Experimentierfreude und ein volles Haus bzw. einen vollen Garten mit Leuten, die ebenfalls Stricken, Häkeln und Färben lernen wollen.


INFOS ZU JULITTA BOLENDER –
JULIES WOLLKÖRBCHEN

Julitta Bolender
Julies Wollkörbchen
Meerlacher-Deich-Str. 17
68794 Oberhausen-Rheinhausen

Telefon: 0725474703
E-Mail: kontakt@julies-wollkoerbchen.de

 

 

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