Die Fraktion de GÜ ist eine geheime Strickorganisation aus Köln. Wir konnten ein Interview mit 2 Mitgliedern arrangieren.

Nach langen Verhandlungen über elektronische Wege ist es uns endlich gelungen, ein persönliches Treffen mit der Untergrundorganisation zu arrangieren, die für die Knit-Art am Rathenauplatz verantwortlich ist.

Wir betreten das mäßig gefüllte Café Central auf der Jülicher Straße um exakt 18:04 Uhr eines Dienstagabends. Als Erkennungsmerkmal dient diesmal keine rote Rose, sondern das simple Bewegen der Stricknadeln auf Seite der Zielperson. Wir erkennen es sofort, alle übrigen Anwesenden erachten diese Tätigkeit als völlig normal und schenken daher Bettina und Philipp keine weitere Aufmerksamkeit – wirklich geschickt. Entsprechend den kalten Temperaturen bestellen wir Latte Macchiato, Tee und heiße Zitrone.

Fraktion de GÜ Fraktion de Gü Fraktion de GÜ im Interview

Die Fraktion de GÜ an einem geheimen Treffpunkt in Köln

Grundsätzliches über die Fraktion de GÜ

Die Fraktion de GÜ, so erklärt Bettina, besteht aus sechs Mitgliedern wobei sie die derzeit einzige Strickerin ist. Der Name der Fraktion lässt sich nicht direkt erschließen, doch wir erfahren, dass das  für eine englische Schokoladenmarke steht, die während der zeitintensiven Strickprozedur mit Vorliebe verzehrt wird (Anm. d. Red.: Das sieht man Bettina jedoch nicht an.).

Anonymität ist das A und O

Es geht darum, ursprünglich Häusliches in den öffentlichen Raum zu transportieren. Das Stricken wurde lange Zeit als Handwerk zur Erschaffung von Kleidung zum Wärmen angesehen, doch nimmt nun nach und nach Einzug in die Kunst. Das freut uns sehr.

Der Kunststudent Philipp, trägt einen selbstgestrickten Pullover in unifarbenem Orange, dazu schwarz-weiße Cowboystiefel. Er sieht sich selber als Mitglied des Hängekomitées, das bedeutet, dass er bei der nächtlichen Anbringung der Strickwerke tatkräftig zur Seite steht. Dabei ist es wichtig, dass die Fraktion de GÜ unerkannt bleibt, sodass jedes Mitglied stets eine von Bettina gestrickte Mütze tragen muss, sobald es in die nächtliche Dunkelheit geht. Da ist es selbstverständlich, dass der ein oder andere aufmerksame Anwohner schon mal die dreiziffrige Telefonnummer der staatlichen Exekutive wählt, die jedoch freundlicherweise stets Verständnis für das Vorhaben aufgebracht haben – Klar, denn wer Bettina und Philipp kennen lernt stellt fest: Die zerstören keinesfalls öffentliches oder privates Eigentum, die Fraktion de GÜ lässt durch ihre Aktionen Leute schmunzeln, nachdenken und verschönert den Stadtteil. Dabei ist es beiden wichtig, dass sie sich auf das Gebiet Ratenauplatz / Brüsselerplatz und Umgebung beschränken, da dies ihr Heimatviertel ist.

Das gibt Ärger

Paradebeispiel dafür stellt Patricia Waller dar. Die Strickkünstlerin inspiriert die Fraktion de GÜ, sodass u.A. auch sozialkritische Themen aufgegriffen werden. Da gab es beispielsweise zur Zeit des EHEC eine Installation – unglücklicherweise direkt vor einem italienischen Lokal – “Das war so nicht gewollt, da hätten wir vorher besser recherchieren müssen.”, merkt Bettina an. Das Strickwerk wurde bereits nach 3 Tagen wieder entfernt, unbekannterweise.

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Das Revier abstricken

Das Revier abstricken, so Philipp, wird innerhalb Kölns von zwei weiteren Gruppen in Mülheim und im Agnesviertel betrieben. Die Fraktion de Gü hat bereits eine Kooperation mit den Rausfrauen aus München initiiert und hoffen auf eine baldige Zusammenarbeit. Der Vollständigkeit halber ist noch das Kommando Agnes – ebenfalls aus München – zu nennen. Es ist zwar nicht empirisch belegt, jedoch fällt auf, dass sich die Aktionen beziehungsweise das Zusammenfinden stadtbezogener Gruppen zunächst im Süden Deutschlands etabliert haben und nach und nach bis zum Norden des Landes weiter gewachsen sind. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass es, ähnlich wie bei Graffitisprayern, zu Rivalitäten zwischen den Blocks ähm Städten kommt.

Weitere Informationen über die Fraktion de Gü gibt es unter der schwierig zu findenden URL: http://www.kunstbeispiele.de/streetart/

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