Florian, Christian, Malte, John, Valentino… das sind nicht etwa die Namen meiner Ex-Männer, sondern vielmehr Namen einiger Ebooks, die zur Zeit für Männer auf dem deutschen Markt erhältlich sind.
Lange Zeit wurden die Männer in der Nähszene stiefmütterlich behandelt. Wenn man nicht auf altmodische Schnitte von Burda zurückgreifen wollte, gab es eigentlich nur Schnittreif, die zeitgemäße Basics für den Mann angeboten hat.
In den letzten zwei Jahren hat sich im Bereich Ebooks und Schnittmuster für Männer aber einiges getan. Viele kleine und große Ebookhersteller bieten mittlerweile tolle und zeitgemäße Schnittmuster für den Mann an, so zum Beispiel Rockerbuben (ausschließlich Ebooks für Männer und Jungs), Ki-ba-dooMialunaSelbermacher-123Schnittreif/FritziFred von SohoWorawoPattydoo und Rosile, um nur einige zu nennen.

Dennoch klagen viele Frauen in verschiedenen Nähforen, dass sie ihre Männer nicht benähen dürfen.Maarika Meltsas

Männerkleidung nähen  Gastbeitrag: Maarika Meltsas  gibt Tipps zum Nähen von Männerkleidung

Schnitt: Mr. Klassic von Selbermacher-123

Woran liegt das?

Ich habe da meine eigene Theorie: Ich glaube ja, dass Männer insgesamt selten mutig sind, was Mode angeht. Das spiegelt sich in der Kaufmode wieder: gedeckte Farben, Basicschnitte, klassische Formen, nur dezente oder lässige Applikationen und Drucke. Männer möchten ungerne auffallen. Das gilt deshalb auch für Handmade-Mode. Nach Möglichkeit soll niemand merken, dass ein Kleidungsstück selbstgemacht ist. Ich habe bisher nur aus Männermündern den leicht abschätzigen Ausdruck ‚selbstgeklöppelt‘ gehört. Dem Label ‚handgemacht‘ haftet häufig noch der Hauch von ‚gewollt, aber nicht gekonnt‘ an. Vielleicht können sie aber auch die Arbeit, die in einem selbstgenähten Kleidungsstück steckt, nicht immer wertschätzen, weil sie selber nur selten handarbeitlich tätig sind.

Was auch immer die Gründe einiger Männer für diese eher ablehnende Haltung Selbstgenähtem gegenüber sein mögen, ich bin mir sicher, dass die meisten bekehrt werden können, wenn man es geschickt angeht (und ihnen ein wenig Zeit lässt).

Ganz entscheidend dabei ist die Stoff- und Farbwahl.

Der erste Pulli, das erste Shirt sollte vielleicht eher ‚mainstreamig‘ und unauffällig sein.Maarika Meltsas

Am besten keinen Stoffmix, keine Kindermotive (!!!), keine Stickereien, kein Klim-Bim, höchstens ein männertaugliches geplottetes Motiv oder etwas dezente Paspel. Den Hauptstoff sollte man in uni und in einer der Lieblingsfarben des Mannes wählen – guckt doch einfach mal, welche Farbe am häufigsten im Schrank hängt. Der Stoff selber sollte bequem, weich, und etwas sportlich sein. Ich empfehle schlichten Sweat für den Anfang, toll sind aber auch Strickfleece oder Sportfunktionsstoffe.

SEINE Lieblingsschnitte

Die Liste toller Männerschnitte ist, wie bereits erwähnt, ziemlich lang. Ich würde euch gerne ein paar meiner bzw. SEINER Lieblingsschnitte vorstellen.

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Der erste selbstgenähte Herrenpulli im Hause Meltsas:
Schnitt Fehmarn von Schnittreif, aufgepeppt mit roten Paspeln

Den ersten Kapuzenpullover für meinen Mann habe ich vor drei Jahren aus dunkelblauem Sweat – seine Lieblingsfarbe – nach dem Schnitt ‚Fehmarn‚ von Schnittreif genäht. Eigentlich ist es ein Jackenschnitt, aber wenn man das Vorderteil und die Kapuze im Bruch zuschneidet, wird ein schöner Basic-Pulli daraus. Der Schnitt fällt eher kurz aus, ich verlängere ihn daher immer um 5 cm. Ich empfehle für alle Ebooks ein gut sitzendes Shirt oder Pulli auf die Schnittmuster zu legen, um die Passform vor dem Zuschneiden zu überprüfen. Es wäre zu schade, wenn das Kleidungsstück später nicht passt, zumal Männerkleider einiges an Stoff verschlingen. Den Fehmarn-Hoodie habe ich mit roten Paspeln – ebenfalls eine Lieblingsfarbe – in den Schulternähten und in der Kapuze und mit roten Bündchen etwas aufgepeppt. Der Hoody bekommt dadurch eine leichte Retro-Note, was mein Mann ganz gerne hat. Obwohl der Pulli eigentlich ganz schlicht und einfach genäht ist, ist mein Mann schon häufig darauf angesprochen worden. Das hat sicher auch dazu geführt, dass ich seither viel für ihn nähen darf. ‚Fehmarn‚ ist – als Kapuzenjacke oder als Pulli – der am meisten genähte Schnitt bisher.

Nach vielen Basic-Pullis und Jacken durfte ein Jahr später schließlich ein gemusterter Pulli einziehen (ich sag ja, Männer brauchen einfach ein bisschen Zeit bis sie offen sind für Veränderungen): ‚Miro‚ von Worawo. Der Schnitt hat sofort perfekt gepasst und ermöglicht durch seine besondere Aufteilung im Vorderteil auch die Verwertung verschiedener Reststücke und ein Spiel mit Farben. Nach anfänglicher Skepsis (vor dem Nähen) ist dieser Hoody zum Lieblingspulli avanciert. Mein Mann mag die sehr große (versteckte) Bauchtasche besonders gern.

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Ein perfekter Schnitt für Herrn Meltsas: ‚Miro‘ von Worawo

Ein weiterer Hit im Kleiderschrank ist der ‚MännerKragenhoodie‚ von Selbermacher-123, hier vor allem die Ausführung mit dem Loop-Kragen. Auch dieser Schnitt passt meinem Mann ohne Veränderungen. Der Schnitt insgesamt ist sehr Basic gehalten (was Spielraum für eigene Ideen lässt) und besticht in erster Linie durch die angebotenen Kragenlösungen.

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Der Männerkragenhoody von Selbermachen-123

Im November ist der neueste Pulli eingezogen: ‚PAmico‚ von Ki-ba-doo. Alle Jungsschnitte sind nun auch für Herren erhältlich und ‚PAmico‚ hat unbedingt das Zeug dazu den Titel ‚Lieblingspulli‚ einzunehmen. Auch diesen Schnitt musste ich nicht ändern. Mein Mann scheint eine sehr gängige Größe L zu sein. ‚PAmico‚ ist ein schmal geschnittener Raglan-Hoodie mit einer eckigen Ausschnitt-Lösung, was den Pulli zu einem Hingucker macht. Basic mit dem besonderen Etwas eben. Ich habe ihn aus einem etwas dickeren Jersey mit extra breiten Blockstreifen (von der Stoffprinzessin) genäht. Meinem Mann gefällt die Stoffqualität sehr, nicht so warm wie Wintersweat, aber formstabiler als normaler Jersey (vergleichbar mit Sommersweat, allerdings nicht angeraut).

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Der neueste Pulli nach dem Schnitt ‚PAmico‘ von Ki-ba-doo

Aber es gibt ja nicht nur Hoodie-Schnitte für den Mann. Fast alle genannten Ebook-Hersteller bieten auch Kurz- und Langarm-Shirts an, so zum Beispiel Mialuna. Das Raglan-Shirt ‚Mister Raglan‚ ist ein tolles Anfänger-Projekt und kann durch Plotts oder Drucke schnell aufgewertet werden. Für meinen Mann durfte ich wieder Paspel einarbeiten und eine Kassette von Bunte Knete plotten – er mag es gerne Retro.

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Schicke Shirts mit Raglanschnitt sind tolle Anfängerprojekte.

Wenn man auf der Suche nach einer Jogging- oder Wohlfühlhose ist (denn auch die Herren der Schöpfung lümmeln gerne mal auf dem Sofa), wird man bei Ki-ba-doo (Pajorne) oder Fred von Soho (Lieblingsbuxe) fündig, NipNaps bietet die ‚Luckees‘ im leichten Harem-Stil auch für den Mann an. Mein Mann ist dafür aber ein wenig zu traditionell und mag es nicht so tief sitzend im Schritt. Junge Männer oder Teenager sind da sicher offener.

Als ich mit dem Nähen begonnen habe, hätte ich nie gedacht, dass ich auch Unterwäsche nähen würde. Aber die Schnitte ‚John‚ von Schnittreif und ‚Valentino‚ von Elsterglück sitzen so gut und sind so einfach genäht, dass ich für meinen Mann schon die ein oder andere enge Boxershorts genäht habe. Sie eignen sich prima um Stoffreste zu verwerten oder Stoffe und Muster zu mixen, denn Untendrunter darf es für viele Herren auch etwas verrückter und bunter zugehen. Ich persönlich bevorzuge es hier ebenfalls etwas dezenter und nehme nicht zu kindliche Stoffe und Designs. Da greife ich lieber zu einem ausgefalleneren Gummibund. Unterhosen sind für mich die perfekten kleinen Geschenke, wie zum Beispiel zum Valentinstag.

Nähen von Männerkleidung-10  Gastbeitrag: Maarika Meltsas  gibt Tipps zum Nähen von Männerkleidung

Meine Pläne

Wenn mein Tag mehr als 24 Stunden hätte und ich mir endlich angewöhnen könnte, größere Stoffmengen zu kaufen (für einen Männerschnitt benötigt man in der Regel mindestens 2 m Stoff), würde ich viel häufiger für meinen Mann nähen. Auf der To-Sew-Liste ganz oben stehen für mich Jeric und Just (coming soon) von Prülla. Prülla entwirft nicht nur Schnitte, sie näht auch für sich und ihren Mann die schönsten lässigen und sportlichen Pullis und Jacken. Immer Basic mit dem besonderen Etwas und liebevollen Details – und immer wie gekauft! Es lohnt sich ein Besuch auf ihrem Blog (http://www.hennepruella.blogspot.de/), alleine um sich inspirieren zu lassen.

Aber auch die Schnitte ‚Malte‚ und ‚Florian‚ von den Rockerbuben möchte ich endlich ausprobieren. Ich mag, dass sich dieses Label ganz der lässigen Bekleidung von kleinen Jungs und ihren Vätern verschrieben hat.

Nähen von Männerkleidung – Ideen bei Linkparties

Habt ihr auch Lust bekommen eure Männer zu benähen, dann schaut doch gerne bei den verschiedenen Linkparties für Jungs und Männer vorbei. Dort werden immer wieder die neuesten Modelle und Ideen gesammelt und man kann sich bei einer leckeren Tasse Kaffee oder Tee inspirieren lassen.

Mo.ni.kate von WollixundStoffix (die übrigens auch an den engen Boxershorts ‚John‚ und dem Shirt ‚Pablo‚ von Schnittreif mitgearbeitet hat) läd jeden ersten Freitag im Monat zur Linkparty ‚HerrMann‚ ein und stellt selber regelmäßig auch tolle Schnitte und Accessoires für den Mann außerhalb der ‚mainstream‚-Schnitte vor.

Für Söhne und Kerle hat sich ganz dem männlichen Geschlecht verschrieben. Im Bereich ‚Eure Werke‚ könnt ihr eure Beispiele unbegrenzt nach Kategorien verlinken oder euch in eben diesen Ideen holen.

Die monatliche Linkparty ‚Made4Boys‚ zeigt nicht nur Kleidungsstücke für kleine Jungs, sondern immer wieder auch für deren Väter. Vorbeischauen lohnt sich. 
Last but not least wurden bis zum letzten Jahr Kreationen für den Mann nach Jahreszeiten unter ‚Alles für den Mann‚ gesammelt. Diese Linkparty gibt es leider nicht mehr, aber die Sammlung ist zum Anschauen immer noch offen – vielleicht findet sich dort immer noch die ein oder andere Idee.

Das Thema Mann in der Nähwelt

Wie ihr seht, das Thema Mann in der Nähwelt ist gar nicht mehr so stiefmütterlich, wie noch vor ein paar Jahren. Tolle Oberteile, Hosen, Accessoires wie Beanies, Loops, Taschen oder auch nur Schlüsselanhänger warten nur darauf von euch vernäht zu werden. Geht es gedeckt und vorsichtig an, lasst euch von heißgeliebten gekauften Kleidungsstücken inspirieren, probiert euch mit SnapPap für kleine Hingucker oder Labels aus – und ihr werdet demnächst ebenfalls größere Stoffmengen benötigen! Happy sewing!


 

Maarika Meltsas

Vom Blog Liivi und Liivi

Maarika Meltsas von Liivi & Liivi  Gastbeitrag: Maarika Meltsas  gibt Tipps zum Nähen von Männerkleidung

Maarika Meltsas

Maarika Meltsas vom Blog Liivi und Liivi lebt derzeit in Jerusalem und näht wunderschöne Kleidung für sich, ihren Mann und ihre beiden süßen Töchter, das Tochterkind und die kleine Krabbe. Weil es in Jerusalem zwar Stoffe gibt, aber oftmals in minderer Qualität und nicht unbedingt kindgerecht, hat sie einen gut bestückten Stoffschrank, der von Besuchern oder ihr selbst regelmäßig mit Stoffen aus Deutschland gefüllt wird. Sie ist im Bereich Schnitte und Stoffe also immer noch eng mit dem deutschen Markt und den dazugehörigen Foren verbunden. Das ist ihr auch wichtig, da es ja irgendwann wieder zurück nach Deutschland geht.  Maarika hat den Kopf voller Ideen, aber um all diese umsetzen zu können, bräuchte ihr Tag mindestens 48 Std. Mehr über Maarika Meltsas erfährst du im sockshype-Interview.

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