Mädchen müssen in Ruanda – einem der ärmsten Länder der Welt – schon früh Verantwortung übernehmen, um das Überleben der Familie zu sichern. Es sind die praktischen Fähigkeiten, die ihnen helfen, aus der Spirale der Armut herauszukommen. Wer zum Beispiel nähen kann, hilft damit nicht nur seiner eigenen Familie, sondern nimmt oft einen wichtigen Platz in der Dorfgemeinschaft ein. Dieses Wissen veranlasste den Verein intombi e. V., Mittel zur Anschaffung von zehn Nähmaschinen und Stoffen bereitzustellen, damit die Mädchen in der Schule „St. Jean Baptiste de la Salle“ im Dorf Kirenge nähen lernen können.

Die Gründerin des Vereins intombi Alexandra Potratz war lange Zeit eine liebe Kollegin von mir und ich habe all die vielen Aktivitäten verfolgt, mit denen sie und ihre Mitstreiter den Verein aufgebaut haben. intombi setzt sich weltweit für eine bessere Zukunft für Mädchen ein. Das Projekt „Einfädeln bitte“ hat mich auf die Idee gebracht, mit Alexandra ein Interview auf sockshype zu führen.

Alexandra, schön, dass wir es endlich geschafft haben, unsere beiden Steckenpferde intombi und sockshype einmal zusammenzubringen. Erzählst du den Lesern, wie du auf die Idee gekommen bist, intombi zu gründen.

intombi bedeutet, übersetzt aus der südafrikanischen Sprache Xhosa, „Mädchen“. Die Namensherkunft verrät den Ursprung unserer Organisation: Südafrika. Hier habe ich noch während meines Studiums der Sozialen Arbeit in einem Kinderheim für Mädchen in Kapstadt mitgearbeitet. Ich erfuhr im Kinderheim, was die Mädchen bereits erlebt hatten und lernte sie
 persönlich kennen. Die Mädchen beeindruckten mich sehr, da sie teils, trotz der schrecklichen Erfahrungen, nach vorne blickten. Im Kinderheim lebten sie unter bescheidensten
 Bedingungen und machten das Beste daraus. Trotz all der schwierigen Lebensumständen hatten sie einige Gemeinsamkeiten mit deutschen Mädchen. Zum Beispiel Lachen, Quatschen, 
Freundinnen treffen – das mögen ganz viele Mädchen – weltweit.

Diese Gemeinsamkeiten brachten mich auf eine Idee:

Mädchen können sich gegenseitig helfen und voneinander lernen.

Mit dieser Idee wurde der Grundstein für intombi gelegt und das Motto „Mädchen für Mädchen“ geboren. intombi e. V. wurde 2009 schließlich gegründet. Im Mittelpunkt steht dabei die Vermittlung von „Bildung für das Leben“. Der Kontakt zu dem Mädchenheim in Kapstadt in Südafrika ist bis heute erhalten geblieben und wird durch regelmäßige Besuche weiter gestärkt.

Ihr habt das Motto „Mädchen für Mädchen“. Welches Konzept verfolgt ihr bei eurer Vereinsarbeit?

Das Motto „Mädchen für Mädchen“ steht dafür, dass wir Mädchen weltweit zu einem Austausch untereinander, einer Unterstützung füreinander und einem Einsatz miteinander für die Stärkung von Mädchen weltweit motivieren möchten.

Bestehenden Mädchengruppen im Kölner Raum bieten wir in Kultur-Workshops an, das Leben von anderen Mädchen in Schwellen- und Entwicklungsländern kennenzulernen. Dadurch werden die Mädchen motiviert, sich für andere Mädchen in der Welt zu engagieren. Bei Aktionen, wie zum Beispiel Spendenläufen, können sie sich anschließend für andere Mädchen einsetzen. Wenn sie älter sind, bekommen sie die Möglichkeit, Mädchen in Ruanda oder Südafrika persönlich „Bildung für das Leben“ vor Ort zu ermöglichen. Ihre dort gewonnenen Erfahrungen können sie nach ihrer Rückkehr in Deutschland in den Kultur-Workshops als Volunteer mit Anderen teilen.

Der so entstehende Kreislauf ermöglicht eine hohe Nachhaltigkeit des „Mädchen für Mädchen“-Gedankens.

Wie kam es dazu, dass ihr euch für die Mädchen in Ruanda engagiert? Du warst ja selber vor 1 1/2 Jahren in deinem Urlaub in Kirenge und hast die Schule, an der ihr mehrere Projekte initiiert habt, besucht. Wie muss man sich ein Leben in Ruanda vorstellen.

Die Zusammenarbeit mit der Schule in Kirenge hat sich durch unser intombi-Mitglied Nadja Chaudhry ergeben. Sie war selber für einige Wochen vor Ort und hat einen engen persönlichen Kontakt zu den Verantwortlichen. Auf der Basis ihrer Erfahrungswerte haben wir uns dazu entschieden, die Mädchen der Schule zu fördern und verschiedene Projekte zu initiieren. Das ist der übliche Weg, wie wir neue Kooperationspartner akquirieren: Besuche vor Ort und persönliche Kontakte.Intombi - Landschaft Ruanda intombi INTOMBI-PROJEKT "Einfädeln bitte" – Mädchen in Ruanda lernen nähen für eine bessere Zukunft

Ruanda ist ein Land, in dem die Menschen auf dem Land zu großen Teilen ohne fließendes Wasser und ohne Strom leben. Sie wohnen in Lehmhütten und besitzen sehr wenig. Medizinische Versorgung und Bildung sind für die Menschen aus finanziellen und logistischen Gründen nicht immer zugänglich.

intombi - Ruanda Terrassenlandschaft intombi INTOMBI-PROJEKT "Einfädeln bitte" – Mädchen in Ruanda lernen nähen für eine bessere ZukunftDie Mädchen leiden darunter, dass Jungen häufig bevorteilt werden und die Mädchen keine Chancen haben, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Andererseits haben die Mädchen ein großes Potential, ihre Zukunft positiv und erfolgreich zu gestalten. Hier möchten wir ansetzen und ihnen einen Raum schaffen, in dem sie sich geschützt weiterentwickeln und ihre Zukunftsträume verfolgen können.Intombi - Schulmädchen intombi INTOMBI-PROJEKT "Einfädeln bitte" – Mädchen in Ruanda lernen nähen für eine bessere Zukunft

Die Schule „St. Jean Baptiste de la Salle“ bietet Kindern, deren Eltern so arm sind, dass sie kein Schulgeld für ihre Söhne und Töchter aufbringen können, dennoch die Möglichkeit, in sechs Pflichtschuljahren die lebenswichtigen Grundlagen zu erlernen. Dabei werden sie auch auf ein Leben nach der Schule vorbereitet. Wie helfen die von euch finanzierten Nähmaschinen und die Stoffe den Mädchen, dieses Ziel zu erreichen?

In Ruanda tragen viele Menschen traditionelle Kleidung, die individuell genäht wird. Die Mädchen können daher bereits während der Schulzeit ihre neuen Fähigkeiten für den Alltag nutzen, in dem sie Kleidung für sich selbst und ihre Familien nähen. Darüberhinaus sollen Sie durch unser Projekt auch einen Einblick in den Beruf der Näherin und der Schneiderin erhalten und so eine berufliche Perspektive bekommen. Viele Menschen in Ruanda sind Bauern und versorgen ausschließlich sich selbst. Das bedeutet häufig ein Leben in Armut, daher möchten wir alternative Einnahmequellen und Berufe zum einen vorstellen und zum anderen den Weg dorthin bereiten.

Intombi Mädchen planen ein Nähprojekt intombi INTOMBI-PROJEKT "Einfädeln bitte" – Mädchen in Ruanda lernen nähen für eine bessere ZukunftWas nähen die Mädchen? Werden die genähten Projekte verkauft oder dürfen die Näherinnen ihre Kleidungsstücke behalten? 

Es werden zum Beispiel Röcke genäht. Was aber auch ganz wichtig ist, ist das Nähen von einem Mix aus Unterhose und Binde. Alternativ zu Hygiene-Produkten, wie wir sie kennen, benutzen Mädchen in Kirenge dieses Nähprodukt während ihrer Menstruation. Die Mädchen werden bei regelmäßiger Teilnahme am Nähkurs einige der Dinge, die sie nähen, behalten dürfen. Darüberhinaus gibt es an der Schule immer mal wieder Verlosungen oder auch ein Punktesystem, das für getane Arbeit belohnt. Durch dieses Punkteystem werden die Mädchen einerseits für ihr Mitwirken am Projekt belohnt und andererseits bekommen andere die Chance, auch von den Nähprodukten zu profitieren.

Die Nähmaschinen und die Stoffe wurden vor Ort gekauft. Wie unterscheiden sich die Nähmaschinen von unseren? 

Die Nähmaschinen sind sehr robust und werden ohne Strom betrieben. Das ist sehr wichtig, damit sie zum einen lange halten und uneingeschränkt genutzt werden können. Wir kaufen grundsätzlich alles, was möglich ist, vor Ort ein. So können wir die lokale Wirtschaft fördern und auf ortsübliche Produkte zurückgreifen.

intombi - Mädchen plant ein Nähprojekt intombi INTOMBI-PROJEKT "Einfädeln bitte" – Mädchen in Ruanda lernen nähen für eine bessere Zukunft

Die Mädchen haben nun in der Schule nähen gelernt. Wie können sie denn später als erwachsene Frau ihre Fähigkeiten beruflich nutzen? Außerhalb der Schule haben sie keine Nähmaschine und Geld für Stoffe fehlt sicherlich auch. Welche Möglichkeiten haben die Mädchen um sich ein eigenes Geschäft aufzubauen?

Die Mädchen können im Anschluss an die Schule eine Ausbildung an einer Berufsschule zur Schneiderin machen. Das erfordert jedoch hohe Schulgebühren, wodurch nur wenige Mädchen diese Möglichkeit nutzen werden können. Daher möchten wir mit unserem Projekt erreichen, dass die Mädchen allein durch das Projekt eine gute Basis an Nähkenntnissen mitnehmen und so ihren Lebensunterhalt durch das Nähen aufbessern können. Wir sind gerade dabei, ein System aufzubauen, um die Perspektive nach der Schule zu erleichtern und die Mädchen zu unterstützen. Hierzu können wir nochmal in einem Jahr sprechen, bis dahin haben wir sicher ein ausgeklügeltes und zugleich einfaches System gefunden, was den Mädchen nachhaltig hilft, wie zum Beispiel das System unseres Ziegenprojektes.

Wie kann man sich bei intombi engagieren?Intombi - Mädchen im Boot intombi INTOMBI-PROJEKT "Einfädeln bitte" – Mädchen in Ruanda lernen nähen für eine bessere Zukunft

Bei intombi kann man sich entweder fördernd oder aktiv für Mädchen einsetzen.

Fördernd ist es möglich, zum Beispiel einen Stoffballen im Wert von 20 Euro oder eine Nähmaschine im Wert von 90 Euro zu spenden. Eine langfristige Förderung ist als Fördermitglied möglich. Hier sucht jedes Mitglied seinen Jahresbeitrag selbst aus.

Aktiv kann man sich bei intombi als Volunteer miteinbringen, in dem man zum Beispiel an einem Spendenlauf teilnimmt oder einen „intombicouture“-Flohmarktstand zu Gunsten der Mädchen in Südafrika oder Ruanda organisiert. Interessierte können sich bei uns auch für einen Aufenthalt in Südafrika oder Ruanda vor Ort als Volunteer oder PraktikantIn bewerben.

 

Liebe Alexandra, vielen Dank für deine interessanten Ausführungen über ein für uns so fernes Land, in dem Mädchen durch ihre erworbenen Nähfähigkeiten eine Perspektive fürs Leben erhalten. Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg, bei euren Projekten, wie z. B. „Einfädeln bitte!“

 

Wer Lust hat, die Mädchen in Ruanda zu unterstützen, damit der Stoffvorrat weiter aufgestockt wird, kann einige Euro auf folgendes Spendenkonto von intombi überweisen. Wer eine Zuwendungsbestätigung erhalten möchte, sollte bitte seine Anschrift angeben.

Spendenkonto von intombi e.V.:

Pax-Bank eG
IBAN: DE57 3706 0193 0026 6540 17
BIC: GENODED1PAX
Betreff: Stoff für die Mädchen von Kirenge

Fotos: Alexandra Potratz/intombi

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