Upcycling ist zur Zeit der Trend in der Do-it-yourself-Szene. Wir haben das Thema in unserer Rubrik Themas des Monats  im September 2015 in den Blick genommen.

Upcycling – seine Bedeutung

Beim Upcycling werden Materialien, die eigentlich entsorgt werden sollen, zu neuen Produkten wiederverwertet.

Das Positive hierbei ist, dass diese Stoffe im Lebenskreislauf bleiben und kein neues Rohmaterial hergestellt werden muss. Zudem wird Abfall  vermieden. Die Ergebnisse sind ganz individuelle, einzigartige Produkte, die sich von der Massenproduktion abheben.

Upcycling in verschiedenen Kulturen

In unseren Breiten wollen die Menschen aus Umweltschutzgründen Ressourcen sparen und fertigen aus Freude an der Kreativität beispielsweise ihren Lieblingspulli zu einer schicken Jacke. In Entwicklungsländern bleibt den Menschen aufgrund von Armut meist nichts anderes übrig, als mit dem Vorhandenen auszukommen. So werden zum Beispiel die vielen Plastiktüten, in denen die Markthändler alle Waren einpacken und die für eine enorme Verschmutzung der Ortschaften sorgen,  in Streifen geschnitten und zu stabilen Einkaufstaschen gehäkelt.

Upcycling – keine trendige Neuheit

Das Thema Upcycling ist allerdings keine trendige Neuheit. Gerade in der Nachkriegszeit, als viele Ortschaften in Schutt und Asche lagen, mangelte es den Menschen an vielem: Kleidung, Nahrung und Haushaltsgegenstände. Doch Not macht erfinderisch. Überflüssige Rüstungsgegenstände aus dem Krieg waren zuhauf vorhanden und so wurden sie zu Dingen des täglichen Lebens umgewandelt.

Da wurde aus dem Stahlhelm das Küchensieb gefertigt, wie es im Haus der Geschichte in Bonn zu sehen ist. Zu dieser Zeit gab es auch kaum Stoffe zu kaufen. Damit eine Braut zur Hochzeit ein weißes Kleid tragen konnte, wurde damals einfach aus einem gebrauchten Fallschirm ein hübsches Brautkleid genäht. Und aus alten Wehrmachtsdecken fertigten die Leute warme Mäntel für den Winter.

Upcycling-Inspirationen

Zum Thema stellen wir euch einige Upcycling-Ideen der Bloggerinen Christiane vom Blog BIKELOVIN, Karin vom Blog LOCKWERKE und Lydia von LALYLALA vor.

Christiane, die Fahrradfrau, liebt es, Fahrradschrott zu verwerten. Dabei hat es ihr der Fahrradschlauch besonders angetan. Das weiche, aber stabile Material lässt sich ausgezeichnet für Upcycling-Projekte verwenden.

Karin nutzt sehr gerne zu kleine oder verschlissene Jeans der Familie für ganz unterschiedliche Objekte. Mit ihrer künstlerischen Ader entwirft sie wunderschöne Applikationen, wie z. B. das Eichhörnchen, mit denen sie ihre Projekte aufpeppt und zu herrlichen Unikaten verwandelt.

Lydia ist Häkelspezialistin, die gerne Amigurumis, kleine Figuren, häkelt. Auch gibt sie ihr Wissen weiter und hat deshalb ein Häkel-Tutorial-Buch im GU-Verlag veröffentlicht.

Wie aus einem schlichtweißen Häkeldeckchen ein dekoratives Körbchen gefertigt wird, ist eine sockshype-Upcycling-Idee, die wir nicht vorenthalten wollen.

Die Fahrradfrau Christiane hat die alten, abgetragenen und verfilzten Lieblingspullis der Familie zu dekorativen Kissen geschnitten und genäht. Na, und auch bei diesem Projekt muss der Fahrradschlauch, wie bei Christianes Upcycling-Projekten üblich, herhalten: Schlauchgenäht, schlauchgeknöpft und schlauchgeknotet dient er den Kissen als Verschluss.

Im Hause BIKELOVIN hat das Suchen nach dem Ladekabel nun ein Ende. Christiane hat eine tolle Upcycling-Lösung gefunden: Aus ausrangierten selbst gestrickten Socken, einem Fahrradschlauch und leeren und aufgeschnittenen Trinkpäckchen hat sie ein Aufbewahrungsdings für Ladekabel und anderes gefertigt.

Vor etlichen Jahren waren Häkeldeckchen der Renner. Heute findest du sie vielleicht im Fundus der Großmutter, sicher aber auf einem Trödelmarkt. Mit Farbe und Kleister wird aus einem schlichtweißen Häkeldeckchen ein rotes dekoratives Körbchen.

Karin verwendet liebend gerne Stoff von ausrangierten Jeans für neue Projekte. Selbstgenähte Fische, ausgestattet mit einem Magneten, befinden sich im Inneren des Jeansutensilos mit Guckloch. Sie müssen mit der Angel aus dem „Wasser“ herausgefischt werden. Dabei sollte der Angler nicht durch das Guckloch spinksen. Hinter der Flosse können z. B. Zettelchen mit mit kleinen Aufgaben für Mithilfe im Haushalt versteckt werden. So geangelt, macht das Helfen bestimmt Spaß.

Karin hat nicht nur tolles Nähgeschick, sondern auch eine künstlerische Ader. Auf die dekorative Hülle aus einem Jeans-Hosenbein hat sie ein hübsches Tier appliziert. Der Kommentar ihrer Kinder: „Och wie süß, ein Kätzchen.“ Doch wer die Vase umdreht, erkennt am buschigen Schwanz: es ist ein Eichhörnchen. So kann man sich irren.

Eindeutiger ist Karins Kinderhosen-Vasenhülle mit einem applizierten Fuchs. Mit dem herbstlichen Blätterarrangement wird die Vase zu einem dekorativen Hingucker.

Lydia von lalylala.com zeigt, wie man einen Skirt-to-Dress upcycled, wie ein ungeliebter Rock in ein hübsches Shirt verwandelt wird. Dabei erhält das Shirt eine hübsche Häkelpasse aus einem weichen Baumwollgarn. Lydia stellt auf ihrer Internetseite einen Link zum kostenfreien Häkelmuster zu Verfügung. Das hübsche Shirt sollte nicht nur im Sommer zur Geltung kommen. Unter einem Blazer oder einem Cardigan kann es auch bei kühleren Temperaturen getragen werden.

Upcycling – Anleitung

Textilgarn liegt aktuell sehr im Trend. Mit ihm können Kissen, Lampenschirme, Hüllen für Übertöpfe und vieles mehr gehäkelt oder  gestrickt werden. Bevor du beim Ausmisten deines Kleiderschrankes T-Shirts in den Kleidersack steckst, guck mal, ob du hieraus nicht ein Knäuel Textilgarn herstellen kannst. Welcher T-Shirt-Stoff sich eignet und wie du das Shirt zurechtschneidest, erfährst du bei sockshype. Zudem verweisen wir auf diverse Anleitungen zu unseren Projekten aus Textilgarn.

Vorstellung von Menschen, die Upcycling betreiben

Die einen fertigen professionell aus ausrangierten Schrankhütern einzigartige Kleidungsstücke oder Schmusetiere, andere wiederum verwandeln hobbymäßig alte oder günstig erworbene Kleidungsstücke in trendige Outfits.

Die Schneiderin Rachel Kopp aus Hamburg schneidert aus den Schrankhütern ihrer Kunden hochwertige, passgenaue Kleidung, die es nicht ein zweites Mal gibt. Die Kleidungsstücke, die sie schneidert, müssen zu ihrer Trägerin passen. In ihr muss sie sich wohlfühlen. Außerdem sollen sie die ganz individuelle Schönheit und Einzigartigkeit der Dame hervorheben.

Upcycling ist für sie anspruchsvoller, als einfach aus einem viereckigen Stück Stoff etwas Neues zu machen. Gerade diese Herausforderung liebt sie.

Refashion ist eine besondere Form des Upcyclings. Hierbei werden Kleidungsstücke umgewandelt. Marie Rex geht es beim Refashioning darum, einzigartige Kleidungsstücke zu schaffen, die günstig sind und Materialien weiterzuverwenden, die andere vielleicht weggeschmissen hätten. Die Projekte auf ihrem Blog überzeugen, dass auf diese Weise tolle Outfits entstehen können, die in keinem Geschäft zu finden sind. So hat Marie Rex aus zwei schlichten T-Shirts ein neues gefertigt. Eine viel zu große Bluse wurde auseinander geschnitten und zu einer figurbetonten Peplum-Bluse genäht. Interessant sind auch ihre festlichen Kleider, die sicher Hingucker auf jeder Party sind.

Wer auf Monster und Viecher steht oder einfach ein Faible für ausgefallene Plüschtiere und die Ästhetik alter Stoffe hat, wird bei Charlotte Ehrt fündig. Unter dem Label Ehrtweibchen näht die studierte Industiedesignerin mit dem Schwerpunkt Spiel- und Lerndesign aus bunten, gebrauchten Stoffen individuelle Kuscheltiere. Ihr ist der ressourcenschonende Umgang mit den Materialien sehr wichtig. Außerdem hat sie die Erfahrung gemacht, dass alte Stoffe robuster sind als neue, sowie hautverträglicher und schadstoffärmer, weil sie schon viele Waschgänge mitgemacht haben. Zudem verleihen sie ihren Tieren einen ganz eigenen Charme.

Upcycling – Projekte

In Irland haben wir Menschen getroffen, die über Upcycling Freundschaften knüpfen. Zudem hat uns Christine Bertschi von einem Projekt in Togo berichtet, bei dem Frauen lernen, mit Plastikmüll zu häkeln.

Die Auswirkungen von Altersarmut und Vereinsamung wird immer sichtbarer. Auch die Integration von Migrantinnen und Migranten ist in Kilkenny in Irland ein zentrales Thema, dem sich das Projekt „Making Space“ annimmt. Dabei nehmen ältere Menschen und Migranten an regelmäßigen Treffen teil, um gemeinsam etwas Kreatives zu machen. Ona und Brenda sind zwei der Teilnehmer, die sich vorher nicht kannten. Sie häkeln bei ihren Treffen Kissen aus Textilgarn, das aus ausrangierten T-Shirts geschnitten wird. Im Laufe der Zeit werden die beiden sehr unterschiedlichen Frauen zu guten Freundinnen.

Die Gastautorin Christine Bertschi berichtet über Workshops in Togo, bei denen afrikanische Frauen Gleichgesinnten zeigen, wie sie Plastik recyceln und gleichzeitig neuen Abfall verhindern können. Sie  reinigen die kunterbunten Plastiktüten und schneiden sie in Ringe. Anschließend werden hiermit Einkaufstaschen, Portemonnaies, Armbänder und Schlüsselanhänger gehäkelt. Der Traum der Frauen ist, sich damit eines Tages selbständig zu machen, eine kleine Manufaktur zu gründen und die Fabrikate in einer Boutique zu verkaufen.

Die Bilder der vorgestellten Upcycling-Ideen haben uns die jeweiligen Blogger zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank.

Mit dem Projekt WeUpcycle.com war angedacht, 30 Tage lang täglich Produkte zu präsentieren, die aus Materialien hergestellt wurden, die nicht mehr gebraucht wurden.  Für jeden eingesandten Beitrag sollte der Blog um einen Tag verlängert werden. So sind aus den 30 Tagen insgesamt 3 Jahre geworden. Es lohnt sich, hier zu blättern und sich Upcycle-Inspirationen zu holen.

Das Thema im nächsten Monat:

Tücher, Schals und Loops

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