Warum Instagram sinnlos ist?

Instagram. Wie werde ich erfolgreich? Es geht um Likes, Follower und Dopamin, nicht um dein Herzblut, das du für eine Sache vergießt, die du besonders gut kannst.

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Warum Instagram scheiße ist

Instagram. Die wahrscheinlich zeitraubendste und emotionalste audiovisuelle Online-Plattform, die Facebook Inc. neben der Facebook-App betreibt. Instagram weckt Sehnsüchte, wenn man stundenlang tausende Bilder von krassen Weltreisen, attraktiven Models und teuren Autos liked. Und das alles nur mit dem Ziel, die Zahl der eigenen Follower schnellstmöglich zu steigern.

Dein Körper schüttet mit jedem Like, den dein Foto bekommt, hübsch Dopamin aus, und du gehst zufrieden ins Bett.

Du entwickelst Taktiken.

Du wirst feststellen, welche Art von Bildern zu welcher Tageszeit am meisten Likes bekommt. Hübsche Fotos in den frühen Morgenstunden vor 8 Uhr, wenn jeder auf dem Weg zur Arbeit am Smartphone suchtet, bekommen mehr Likes als tagsüber, wenn jeder arbeitet. 20 Uhr ist auch eine gute Zeit um deine neueste Errungenschaft oder deinen letzten Urlaub mittels filtriertem Foto auf Instagram zu präsentieren. Die Kinder sind im Bett. Der Partner scrollt mit kühlem Dosenbier selber am Tablett. Dein Körper schüttet mit jedem Like, den dein Foto bekommt, hübsch Dopamin aus, und du gehst zufrieden ins Bett.

Wann poste ich am besten auf Instagram? instagram Warum Instagram sinnlos ist?
Taktik: Wann poste ich am besten auf Instagram?

Unser Instagram-Account ist lächerlich.

Dies wird einer dieser ehrlichen Beiträge. Meine Mama Barbara betreibt den sockshype-Account ganz alleine, während Marit und ich den Makema-Account bedienen. Hin und wieder veröffentlicht Barbara ein Foto. Völlig willkürlich wählt sie ein schönes Strickbild aus und hat es auf 248 Abonnenten (Stand: 01.08.2017, 17:30 Uhr) gebracht. Eine völlig lächerliche Zahl, verglichen mit den großen Instagram-Influencern und noch viel mehr, wenn man bedenkt, dass sockshype.com im letzten Jahr 1,2 Millionen Klicks hatte.

Warum haben wir also einen Instagram-Account und warum gehen alle auf Zahlen so ab? Jeder glaubt seinen persönlichen Erfolg im aktuellen Hype um Instagram für sich zu finden. Wer nicht auf Instagram ist, existiert in vielen Köpfen nicht. Und wenn man dann noch mit mehreren hunderttausend Abonnenten erfolgreich ist, genießt man ein Fame-Luxus-Leben mit vielen bezahlten Reisen und vielen kostenlosen Produkten. Yeah.

Warum Instagram scheiße sinnlos ist?

Auslöser für diesen Beitrag ist Peppermynta, ein Eco-Fair-Fashion-Magazin von Lesley Sevriens und Fenja Kramer, ebenfalls aus Hamburg.

Instagram Account weg oder gelöscht? Was kannst du tun?

In diesem Beitrag beschreibt Lesley sehr ehrlich, was Instagram eigentlich bedeutet und warum ihr ihre hart erklickten 10.000 (10k) Abonnenten so wichtig sind.

Instagram hat die Macht?

Das größte und wichtigste Argument, warum Instagram gar nicht so gut ist: Instagram hat die Macht. Ein gutes Beispiel hierfür ist Deborah T. aus Köln mit 1,1 Millionen Abonnenten. Es ist ein bisschen angeberisch zu sagen, dass wir uns kennen. Ich und viele meiner Freunde kennen sie. Wir haben alle mal zusammen gearbeitet. Ob sie uns noch kennt? Bei 1,1 Millionen Followern etwas abwegig.

Es geht um Likes und Follower, nicht um dein Herzblut, das du für eine Sache vergießt, die du besonders gut kannst.

Deborah ist Key-Influencer, erhält von Firmen also Geld, Produkte und Gage, damit sie ihren Abonnenten als Multiplikator tolle Produkte präsentiert. Vor einiger Zeit wurde ihr Zugang von Instagram gesperrt. Möglicherweise wurden Fake-Account (falsche Nutzer) dazu gekauft. Eine reine Vermutung. Doch Instagram hat die Macht, und ein Lebensmodell zerbricht am Algorithmus der Facebook Inc.

Nach einigen Wochen war der Account zwar wieder hergestellt. Doch niemand hat Einfluss auf Instagram.

Instagram ist eine Monokultur und gegen das Internet.

Instagram ist eine Sackgasse, wenn es um Nutzerinteraktionen geht. Links, die auf einen Blogpost, eine Internetseite, auf eine andere App oder auf ein YouTube-Video hinweisen, sind nicht möglich – außer man bezahlt dafür. Das Internet lebt durch ein Netz an Links, die wiederum auf andere interessante Inhalte verweisen. Instagram spielt das Spiel nicht mit und schafft eine Monokultur, deshalb ist der Erfolg von Instagram so verwunderlich.

Am 30. Mai hat Lutz auf eine Änderung hingewiesen. Wenn man mehr als 10.000 Abonnenten hat, kann man zumindest in der Instagram-Story externe Links setzen. Stößchen, cheers, chin-chin und Prost auf alle 10k+ Instagramer.

Du kannst auf tolle, neue Beiträge in deinem Blog nur hinweisen, wenn du den einzig verfügbaren Link in deiner Biografie ständig änderst.

Links in Instagram: So geht es auch ohne verifizierten Account

Wie werde ich auf Instagram erfolgreich?

Zunächst definiere erfolgreich! Meine Mama Barbara erhält auf ihre 192 Fotos mit Strickmotiven von 248 Abonnenten Kommentare, es kommt zum Austausch, zu gewünschten Interaktionen.

Ist das auch deine Definition von erfolgreich? Wenn du dem zustimmst, dann machst du alles richtig. Dann

  • stellst du dir keinen Wecker,
  • bereitest keine Beiträge schon am Abend kurz vor dem Schlafen mit #Hashtags vor
  • und aktualisierst auch nicht im Minutentakt deine Likes auf einem kürzlich veröffentlichten Foto.

Wenn du jedoch zu der Gruppe gehörst, die

  • mit Apps wie Followers verlorene Nutzer ebenfalls entfolgst,
  • wenn du dir vielleicht sogar Fake-Abonnenten kaufst
  • und Geld für Sponsoring ausgibst,

dann sei dir gesagt, dass du statistisch gesehen auf Instagram nicht erfolgreich wirst. Warum? Weil genauso wie du viele andere Nutzer Instagram nutzen. Es geht um Likes und Follower, nicht um dein Herzblut, das du für eine Sache vergießt, die du besonders gut kannst.

Gut möglich, dass dir trotzdem die ein oder andere Firma ein kostenloses Marketing-Paket zusendet, weil du mit 20k Abonennten ein günstiges Marketingtool bist, getarnt unter der reißerisch klingenden Bezeichnung Influencer und du mit Stolz ein Unboxing in deiner Story veröffentlichst. Aber der Teich der Accounts mit weniger als 100.000 (echten) Abonnenten ist gigantisch, wenn nicht sogar bei 99,9 %. Und in diesem Teich wirst du niemals schwimmen. Sorry.

Mein Tipp, wenn du etwas besonders gut kannst:

  1. Eröffne einen eigenen Blog.
  2. Investiere die Stunden, die du auf Instagram verbringst, in das was du kannst und vielleicht auch ein bisschen in deinen Blog.
  3. Tritt in Interaktionen mit anderen Nutzern per Email, Facebook, meinetwegen auch über Instagram.
  4. Wie wirst du beim Bloggen erfolgreich? Glaub mir, Google findet dich!
  5. Wenn jemand von dir partizipieren möchte, wird er dir schreiben.
  6. Nun meine Bitte, wenn ich schon deine Aufmerksamkeit habe:

Folge Marit und mir doch auf Instagram!

Das ist natürlich ein Witz. Tue was du willst. Wenn du dich mit diesem Artikel bestätigt fühlst, oder du nun furchtbar erleichtert bist, weil dein Druck durch Insta reich und berühmt zu werden weg ist, dann teile ihn doch z.B. bei Facebook.

Wohnt in Hamburg. Stammt aus Köln, absolvierte dort von 2008 bis 2011 erfolgreich sein Designstudium. Hatte die Idee zu sockshype 2010, als er täglich zur einer Werbeagentur nach Düsseldorf pendelte. Lebte in den Niederlanden.
 Arbeitet für Apple in Hamburg. Gründet 2016 mit Marit Makema. Alle Artikel von Mark lesen.

3 KOMMENTARE

  1. Mit etwas Verzögerung – wegen Zeitmangel:
    Ach, wie ist mir dieser Artikel aus der Seele gesprochen. Ich bin auch neugierig und teste gerne. Irgendwann hatte ich das einfach satt und so bin ich nie zu instagram gekommen – ok, als ich es dann versuchen wollte, gehörte es schon zu fb. Auch whatsapp war für mich von Anfang an ein rotes Tuch, schon vor Übernahme durch fb.
    Und vorgestern ist mir die Hutschnur hochgegangen und es hat nur Sekunden gedauert und ich habe mich bei fb ausgetragen. Da bekam ich doch eine mail, ich solle mein Adressbuch für fb freigeben, sie wären dann so nett und suchten meine Freunde. Spinnen die? Wer kann so blöd sein, da mitzumachen? ok, sie hatte mir in der mail schon zwei Freunde genannt, die da mitgemacht haben. Freunde, denen ich mehr Verstand zugetraut hatte. Ich weiß, austreten hilft nicht, weil man ja dann nicht mehr mitbekommt, wenn andere meine Daten auf fb verteilen, so wie z. B. meinen Geburtstag, den sie von mir kennen und nicht von fb, wo ich ihn nicht eingetragen habe. Und jetzt bekommen sie auch noch von meinen Freunden, die ich ja nicht hindern kann, fb zu benutzen, meine privaten mailadressen. ok, auch hier, die haben sie vielleicht schon eh via whatsapp.
    Ich bin sauer, da versucht man, mit seinen Daten vorsichtig umzugehen, und dann kommt fb mit dieser linken Methode – die bestimmt genauso verboten ist, weil die Freunde mich vorher nicht fragen!, wie das Vorgehen von Whatsapp, bei der Anmeldung automatisch das Adressbuch auszulesen. Gut, nach dem Gerichtsurteil vor ein paar Wochen, könnte ich jetzt meine Freunde verklagen – aber wer tut das schon.
    Ich bleibe antik bei email (auch nicht sicher, wird langsam Zeit) und Webseiten/Blog.
    Leutz, wacht auf, ich wünsche mir mehr Artikel wie diesen hier.

    • Liebe Lacybe,
      auch bei mir mit etwas Verspätung, weil wir gerade ziemlich offline an der französischen Atlantikküste zelten und das Meer genießen. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, deinen Meinung zum Thema Instagram, aber auch Facebook und Whatsapp mit uns zu teilen. Auf Facebook gab es zu diesem Beitrag auch bereits eine rege Diskussion.
      Jeder sollte für sich selber entscheiden, wie stark die Vorteile sozialer Netzwerke gegenüber der Preisgabe von privaten Daten sind. Niemand kann seine Freunde und Bekannten von der Nutzung von Instagram, Facebook & Co abhalten. Natürlich ist aber auch das Gerichtsurteil ein Witz, denn wie du richtig sagst: Wer verklagt schon seine Freunde?
      Im Beitrag ging es auch darum, dass viele Nutzer von Instagram hoffen als sog. Influencer dank Instagram reich und berühmt zu werden. In der aktuellen NEON (Zeitschrift) gibt es einen interessanten Beitrag dazu, wie jemand versucht hat auf diesen Zug aufzuspringen. Ich wünsche mir, dass mehr Leute selber Initiative ergreifen und eigene Blogs und Projekte auf die Beine stellen.
      Ganz liebe Grüße aus Lacanau,
      Mark

    • So sehe ich das auch, man kann nur auf die Gefahren hinweisen, jeder muß dann selber entscheiden.
      Schade, daß so viele nicht verstehen, was wirklich passiert mit ihren Daten – und dann sagen: ich tue doch nichts böses.
      Und was mich am meisten stört: Daß ich davon betroffen bin, was andere dummes anstellen, daher werde ich weiterhin aufkläre .. und mich über Beiträge wie deinen freuen..

      und Euch noch schönen Urlaub.

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