Die Namen kennen wir eigentlich nur aus der Automobil- oder Computerbranche: Toyota und Brother. Um so größer ist die Verwunderung, wenn Handarbeiter verschiedene Garne in einer Gerät mit dieser Namensbezeichnung einfädeln.

Hauptsächlich produzieren diese Firmen Stickmaschinen für die zahlungskräftige Großindustrie. Schließlich hat jedes Hemd, jeder Pullover und nicht zu letzt jede Hose die Wort- / Bildmarke (kurz: Logo) des produzierenden Unternehmens eingestickt. Da die Entwicklung der Sticktechnologie sehr kostenintensiv ist, haben die internationalen Hersteller semi-professionelle Geräte für den Markt der kleinen und mittelständischen Unternehmen gleich mit entwickelt. Und einfache Stickmaschinen für den privaten Haushalt.

ratgeber-stickmaschine-sockshype01 stickmaschine Was ist eine Stickmaschine?
Ein Versuch: Verschiedene Stickmotive auf einem festen Stoff.

Doch was genau ist nun eine Stickmaschine?

Grundsätzlich stickt eine Stickmaschine ein gewünschtes Stickmotiv auf ein Textilgewebe wie z.B. Stoff, Jeans, Filz etc.. Geräte für den einfachen, privaten Gebrauch ähneln optisch dem bekannten Aufbau einer Nähmaschine. Hierbei wird ein mit dem Textil bespannter Stickrahmen in einen Nähtisch unterhalb der Nadel angebracht, der diesen beim Stickvorgang automatisch in horizontaler und vertikaler Achse bewegt. So bleibt die Sticknadel stets in gleicher Position.

Eine kombinierte Variante nennt man Näh-/Stickmaschine. Die Bezeichnung lässt erahnen, dass sich mit dieser Maschine sowohl nähen, als auch Sticken lässt. Diese Modelle sind günstig und daher für Einsteiger ideal geeignet. Für große Projekte eigenen sich diese Maschinen hingegen nur bedingt, denn die maximale Stickfläche ist auf 10 x 10 cm begrenzt und nicht nur der Nähtisch muss ständig gewechselt, sondern auch der Stickfuß mit einem Schraubenzieher entfernt und durch den Nähfuß ersetzt werden.

Reine Stickmaschinen unterscheiden sich wiederum in zwei Varianten. Beide lassen sowohl größere Projekte, als auch größere Stickmotive durch größere Stickrahmen zu. Stickmaschinen die optisch klassischen Nähmaschinen ähneln, arbeiten mit einer Nadel. Bei jedem Farbwechsel ist ebenfalls ein Garnwechsel notwendig. Professionellere Geräte arbeiten mit bis zu 15 Nadeln, die jeweils mit bis zu 1.000 Stichen pro Minute sticken. Logisch, dass hierbei auch 15 unterschiedliche Garnrollen eingefädelt werden können. Die Maschinen ähneln einer überdimensionalen Overlockmaschine. Mit Sticktisch.

Wie funktioniert eine Stickmaschine?

Ältere Geräte erhalten die Stickinformation des gewünschten Motiv auf einer Stickkarte, die in einen seitlichen Einschub (Slot) eingeschoben wird. Neuere Geräte werden mit einem USB-Kabel an den Computer angeschlossen, oder haben bereits einen Eingang für einen USB-Speicherstick.

Die Information für das Stickmotiv ist in einem bestimmten Dateiformat abgespeichert und beträgt nur wenige Kilobyte. Alle Maschinen arbeiten mit Pfaden (vektorbasiert), die aus einer mathematischen Formel bestehen und dementsprechend nur wenig Speicherplatz benötigen – im Gegensatz zu Pixelgrafiken. Jeder Stich ist also vorprogrammiert. Linien (auch: Outlines) werden beispielsweise im Zickzack-Stich, Geradstich oder Dreifachstich angelegt. Flächen werden im Satinstich, Füllstich, Kreuzstich, Kreisstich, Radialstich oder Spiralstich angelegt.

Besteht ein Motiv aus mehreren Farben, beinhaltet die Stickdatei sowohl die Information über die zu stickende Reihenfolge (Schritte), als auch die Farbe des einzufädelnden Garns.

ratgeber-stickmaschine-sockshype04 stickmaschine Was ist eine Stickmaschine?
Simulation: Die Stickdatei auf dem Computer zeigt das Stickergebnis in einer Simulation.

Welche Stickformate / Dateiformate gibt es?

Die Hersteller von Stickmaschinen haben sich nie auf einen Dateistandard einigen können, sodass jeder Hersteller mindestens ein eigenes Stickformat vorgibt. Dies führt gerade bei Anfängern zu Verwirrung, deshalb hier alle gängigen Stickformate in einer Übersicht (alphabetische Reihenfolge):

Brother (*.PES)

Husqvama / Viking (*.HUS, *.SHV, *.VIP)

Janome (*.JEF, *.SEW)

Melco (*.EXP)

Pfaff (*.PCS)

Singer (*.CSD, *.XXX)

Tajma (*.DST)

Wie teuer ist eine Stickmaschine?

Die Preise für Stickmaschinen schwanken zwischen einem guten Computer und einem gut ausgestatteten Mittelklassefahrzeug. Die beschriebenen Anfängermodelle mit Näh- und Stickfunktion beginnen bei ca. 700,00 EUR (NP). Für Mittelklassemodelle mit größerer Stickfläche muss man zwischen 2.000 und 8.000 EUR (NP) auf die Ladentheke legen. Diese Geräte haben zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten mit Touchscreen. Professionelle Stickmaschinen mit mehreren Garnrollen beginnen bei ca. 10.000 EUR. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

Wir geben bewusst an dieser Stelle keine konkrete Kaufempfehlung für ein bestimmtes Gerät oder eine bevorzugte Marke. Bei Interesse für eine Stickmaschine empfehlen wir einen örtlichen Einzelhandel für Näh- und Stickmaschinen aufzusuchen und sich beraten zu lassen. Im Lexinahcon von Lillesol und Pelle gibt es brauchbare Kommentare zu Vor- und Nachteilen der einzelnen Stickmaschinenmodelle.

Welche Erfahrung haben Sie gemacht? Welche Maschine benutzen Sie? Welche Vor- oder Nachteile hat Ihr Modell gegenüber anderen?
Wohnt in Hamburg. Stammt aus Köln, absolvierte dort von 2008 bis 2011 erfolgreich sein Designstudium. Hatte die Idee zu sockshype 2010, als er täglich zur einer Werbeagentur nach Düsseldorf pendelte. Lebte in den Niederlanden.
 Arbeitet für Apple in Hamburg. Gründet 2016 mit Marit Makema. Alle Artikel von Mark lesen.

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