Herr Pascuali hatte uns in seinem Interview schon ein wenig über Vikunjas berichtet. Sockshype möchte Ihnen noch weitere Informationen zu diesen vom Aussterben bedrohten Tieren geben, die uns so schöne weiche Wolle liefern. Diese Wolle gehört zu den wertvollsten Naturfasern überhaupt.

Das Vikunja ist ein Säugetier und gehört zu den Paarhufern, genauer gesagt zu den Schwielensohlern. Eingordnet werden kann es in die Familie der Camelidae, den Kamelartigen.

Vikunja auf sockhype vikunja Die Wolle der Vikunjas
Vikunja in La Quiaca Jujuy Argentinen

Wie sehen die Vikunjas aus?

Die Vikunjas (Lama vicugna) wiegen zwischen 38 und 50 kg und haben eine Körperlänge von 110 bis 190 cm sowie eine Größe von 100 bis 150 cm. Damit sind sie die kleinsten Mitglieder der Gattung der Cameliden. Der Kopf des Vikunjas ist klein, die Ohren sind lang und aufrecht stehend, der Körper ist schlank. Die Fellfarbe des Körpers ist rötlich-beige, das der Beine und der Brust weiß.

Wo leben die Vikunjas?

Sie leben wild in den Hochanden – vorwiegend in Peru, Bolivien und Argentinien – auf einer Höhe von 3500 bis 5500 Metern. Während der nassen Jahreszeit halten sich die Vikunjas auf den wiesigen Bereichen der Bergkämme auf. Aufgrund ihrer empfindlichen Hufe werden sie niemals auf den steinigen Gipfeln, auf Gletschern und Schneefeldern anzufinden sein. In den heißen Regionen wandern die Tiere in die Täler hinab, wo es Quellen und Sümpfe gibt und sie ausreichend Nahrung finden können.

Vikunja auf sockshype vikunja Die Wolle der Vikunjas
Vikunja in La Quiaca Jujuy, Argentinen

Wie leben die Vikunjas?

Vikunjas leben mit 5 bis 10 Tieren in Familiengruppen, die von einem männlichen Tier angeführt werden. Das Familienoberhaupt entscheidet, wer zur Familie gehört und hat die Verantwortung für die Gruppe. Mittels eines Pfeiftons, auch Alarmtriller genannt, warnt er die Familienmitglieder vor Gefahren.

Wieso sind die Vikunjas vor dem Aussterben bedroht?

Die Zahl der Tiere wurde auf 1,5 Millionen Exemplare zur Inka-Zeit geschätzt., Da sie wegen des Fleisches und der Beliebtheit der Wolle gejagt wurden, war die Population bis zum Jahr 1965 auf 6.000 Stück gesunken. Im Jahr 1975 wurden Vikunjas vom CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) auf die internationale Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere gesetzt. Damit wurde unter anderem auch der Handel mit Vikunja-Wolle untersagt. Seit dem ist der Bestand wieder auf rd. 270.000 Tiere angestiegen, so dass ab dem Jahr 2002 die Gewinnung des Wollvlieses wieder gestattet werden konnte. Die Schur wird in jedem Staat kontrolliert und der Verkauf ist nur mit einem Zertifikat möglich.

Die Besonderheiten der Vikunjawolle

Die Tiere können im Winter eisige Kälte und im Sommer sengende Hitze überleben. Hierfür haben sie ein außergewöhnliches Fell mit Temperatur-Regulierungseigenschaften entwickelt. Die Faser mit einer der höchsten Zugdehnungen ist ganz leicht und weich. Die feinste Tierfaser nach dem Tschiru hat einen Haardurchmesser von  9 bis 15 Mikronen (1/1000 Millimeter). Zum Vergleich beträgt der Durchmesser von Schafwolle 16 – 40 Mikronen. Lediglich 250 g werden bei der Schur eines Vikunjas gewonnen. Der Preis für ein Kilogramm, also der Preis für die Wolle von 4 Vikunjas, beträgt 500 Dollar. Das Endprodukt, die gewaschene, entgrannte, gekardete und versponnene Faser wird zu einem Preis zwischen 8.000 und 10.000 Dollar pro Kilogramm gehandelt und ist damit die teuerste Faser der Welt. Sie wird in der Regel ungefärbt angeboten. Ein Schal aus Vikunja-Wolle kostet rd. 1.350 €. Für einen Mantel, der aus Vikunja-Wolle gewebt wird, blättert man leicht 15.000 € auf den Tisch.

Wie wird die Vikunjafaser gewonnen?

Alle zwei Jahre, in der Zeit von Oktober bis November, je nach Temperatur treiben die Ureinwohner der Anden die Vikunjas über trichterförmige Gatter in Pferche. Diese Zeremonie, nach der Tradition der Inkas,  wird „Chacu“ genannt. In den Pferchen werden sie geschoren. Parallel untersuchen Tierärzte sie und führen zudem Impfungen durch. Danach werden sie wieder freigelassen.

Sollten Sie einmal in den Genuss kommen, die Wolle der Vikunjas zu verstricken, achten Sie bitte darauf, dass ein Zertifikat den kontrollierten Wollhandel bestätigt. Wolle ohne Zertifikat stammt in der Regel von Wilderern. Das sollten wir auf keinen Fall unterstützen.

sockshype dankt Herrn Pascuali für die wunderschönen Bilder und die viele Informationen zu den Vikunjas.

1 KOMMENTAR

  1. Hallo,

    Ich kann selbst nichts mit Garn, Wolle, etc. anfangen… Aber meine Tante in Spe ist eine passionierte Spindlerin und möchte gerne einmal in ihrem Leben Vikunjawolle spinnen und weiterverarbeiten. Ich würde ihr gerne diesen Gefallen erweisen. Sie wird nächstes Jahr 72…
    Danke für eure Hilfe!
    Ben

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