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1.500 EUR Abmahnung für Benutzung von Strickanleitung auf Dawanda

Abmahnung auf Dawanda und Co.? Was ist erlaubt? abmahnung 1.500 EUR Abmahnung für Benutzung von Strickanleitung auf Dawanda
Abmahnung auf Dawanda und Co.? Was ist erlaubt?

Neben den schönen Aspekten des gemeinschaftlichen Miteinanders unter den Handarbeitern gibt es – wo es ums Geld geht – auch die Schattenseiten: Abmahnungen für Handarbeiter auf Etsy, Dawanda & Co. sind kein seltenes Problem. Dabei wird man in der Regel durch den Verkauf selber gemachter Produkte nicht reich. Neben Verletzung der Impressumspflicht oder Verwendung gleicher oder ähnlicher Bezeichnungen kann ein unangenehmer Brief eines Anwaltes ins Haus kommen.

Doch folgender Fall fühlt sich für das Rechtsempfinden etwas anders an:

Was ist passiert?

Stolze 50 EUR Umsatz hat Petra (Name geändert) durch den Verkauf der selbst gehäkelten Krabbe Karlos in ihrem Dawanda-Onlineshop im letzten Jahr gemacht. Um den Autor und den Verlag des Buches, aus dem die Anleitung stammt, auch entsprechend zu würdigen, hat sie bewusst die Herkunft der Strickanleitung angegeben. Anfang des Jahres bekommt sie Post von einem Anwalt. Hierin wird sie aufgefordert eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben und 1.500 EUR für Verlusteinnahmen zu zahlen.

Ist die Abmahnung gerecht(fertigt)?

Mit der Entwicklung und dem Wachstum der Dawanda-Shops wächst auch das Interesse der Unternehmen, kopierte und gewerblich genutzte Anleitungen oder daraus resultierende Ergebnisse ausfindig zu machen und entsprechend abzumahnen. Ist das gerecht? Sicherlich schadet es dem Buchautor und dem Verlag, Anleitungen aus einem Buch zu kopieren und zu veröffentlichen. Doch als erfahrener Nach-Stricker bestätige ich doch lediglich, dass die Anleitung gut ist. Ich verweise doch sogar auf das Buch, den Autor und die Anleitung. Ich mache die Werbung, die sich ein Unternehmen doch nur wünschen kann. Ich bin der kostenlose Influencer unter meinen Freunden, Abonnenten und Fans, der das Buch mit der Anleitung zur gestrickten Krabbe Karlos liebt und empfiehlt.

Möglich, dass der Verlag durch die Abmahnung eine zusätzliche Einnahmequelle gefunden hat. Die geforderte Summe entspräche 1% der verloren gegangenen Einnahmen. Ist diese Einschätzung eine Wertschätzung für Petras Beliebtheit im Netz, oder eine maßlose Übertreibung, die in der Juristerei hinlänglich bekannt ist?

Abmahnung auf Dawanda im Internet (Symbolbild) abmahnung 1.500 EUR Abmahnung für Benutzung von Strickanleitung auf Dawanda
Abmahnung auf Dawanda im Internet (Symbolbild)

Wie vermeide ich Abmahnungen auf Etsy, Dawanda & Co.?

Mein Designstudiums in Köln umfasste 2010 den äußerst unterhaltsamen Kurs „Medien- und Urheberrecht“. Auf humorvolle und teilweise überraschende Weise haben wir uns mit juristischen Auseinandersetzungen unterschiedlichster und unglaublicher Konstellationen beschäftigt. Begriffe wie nicht schützenswert, kleine Münze und Geschmacksmusterschutz blieben dabei hängen. Doch wie sind meine eigenen Anleitungen im Internet geschützt? Darf ich nach fremden Strick-, Häkel- oder Nähanleitungen handgemachte Produkte im Internet oder auf Märkten verkaufen? Muss ich den Urheber der Anleitung, nach der ich gestrickt oder genäht habe angeben – Oder lieber nicht angeben?

Folgende Informationen wurden sorgfältig recherchiert, sie ersetzen jedoch keine Rechtsberatung. Für etwaige Fehlinformationen können wir nicht haftbar gemacht werden.

Aus Sicht der Handarbeiter

Darf ich nach fremden Strick-, Häkel- oder Nähanleitungen und Schnittmuster Produkte im Internet oder auf Märkten verkaufen?

Nein. Und dieses nein wird ganz groß geschrieben, denn die Anleitungen sind in Deutschland urheberrechtlich geschützt. Zusätzlich findet man in nahezu allen gedruckten Publikationen im Impressum Textpassagen wie:

Das Werk und die darin gezeigten Modelle sind urheberrechtlich geschützt. Die Vervielfältigung und Verbreitung ist, außer für private, nicht kommerzielle Zwecke, Untersatz und wird zivil- und strafrechtlich verfolgt. Dies gilt insbesondere für eine Verbreitung des Werkes durch Fotokopien, Film, Funk und Fernsehen, elektronische Medien und Internet sowie für eine gewerbliche Nutzung der gezeigten Modelle.
Taschentypen, 2016, 1. Auflage,S. 160, frechverlag GmbH

 […] verboten sind insbesondere kommerzielle bzw. gewerbliche Herstellungen der jeweiligen Textilie […]
Verlag Aenne Burda GmbH & Co. KG

Sobald die Verwendung der Anleitungen oder Schnittmuster für kommerzielle Vorhaben benutzt wird, kommt es zu einer Urheberrechtsverletzung und eine Abmahnung ist gerechtfertigt. Es geht sogar noch einen Schritt weiter, denn allein die Veröffentlichung eines Fotos einer eigenen Handarbeit im kommerziellen Kontext, die nach der Anleitung oder dem Schnittmuster einer geschützten Publikation erstellt wurde, ist strafbar. Ein kommerzieller Kontext ist auch dann gegeben, wenn man z. B. mit einem Blog durch Werbung Einnahmen erzielt oder eine öffentliche Facebook-Seite betreibt.

Unser Tip: Biete nur an, was du komplett selber erarbeitet, gestaltet und entwickelt hast. Dann wirst du zum Urheber und hast sogar die Möglichkeit, dein Werk zusätzlich schützen zu lassen. Informationen hierzu findest du hier (Deutsches Patent- und Markenamt).

Ich kaufe und verwende markant gestaltete Stoffe einer Designerin oder Lizenzstoffe für meine kommerziellen Produkte. Muss ich die Designerin / die Firma über die Verwendung der Stoffe informieren?

Durch den Erwerb und die Weiterverarbeitung von Lizenzstoffen oder schützenswert gestalteten Stoffen zu einem neuen Werk haben sich die Urheberrechte erschöpft. Relevant hierbei ist, dass das genähte, gestrickte oder gehäkelte Werk eine Schöpfungshöhe im Sinne von Individualität und Originalität hat, sodass die Stoffe lediglich als Beiwerk zu betrachten sind.

Die Designerin oder das Vertriebsunternehmen muss über die Verwendung ihrer Stoffe nicht informiert werden. Eigene Erfahrungen im Austausch mit modernen Unternehmen zeigt sogar, dass diese sich über die Verwendung ihrer Stoffe freuen. Hiervon ist jedoch nicht immer auszugehen.

Was kann ich gegen eine Abmahnung machen?

So schwer es auch fällt: Zunächst einmal Ruhe bewahren. Bei einer Tasse Tee den Namen des Anwaltes und des Abmahnenden im Internet recherchieren. Häufig überrascht es nicht, wenn man nicht der / die einzige mit einer Abmahnung ist.

Unternimm keine voreiligen Handlungen, eine Reaktion auf das Schreiben muss jedoch in jedem Fall erfolgen. Eine gute und neutrale Zusammenfassung, was im Falle einer Abmahnung zu tun ist, gibt es von der IHK Nord Westwestfalen.

Aus Sicht des Urhebers

Wie unterbinde ich das Verkaufen von Produkten meiner Strick- oder Nähanleitungen?

Zunächst einmal solltest du dir Gedanken machen, warum der Verkauf von Produkten aus deinen Stick-, Häkel-, oder Nähanleitungen ein Problem für dich darstellt. Möglicherweise betreibt der / die Handarbeiter(in) gute Werbung für deine Anleitung, da diese(r) auf deine Anleitung hinweist. Nachvollziehbar ist die Sorge, wenn Produkte nach deiner Vorgabe im großen Stil kopiert und gefertigt werden, z.B. für asiatische Fabrikationen.

Erfahrungen aus dem Markt: Ähnlich wie bei den großen Verlagen sollte ein Impressum die Benutzung der Anleitung für kommerzielle Zwecke ausschließen. Eine Erlaubnis zur kommerziellen Nutzung kann jedoch individuell erteilt werden, sodass sich Handarbeiter per Email melden können, um nach einer Erlaubnis zu fragen. So schließt der Urheber eine Benutzung nicht grundsätzlich aus, sondern entscheidet individuell.

Sollte hingegen ein Produkt nach eigener Anleitung ohne vorherige Zustimmung verkauft werden, sollte der Verkäufer nach einer Beweissicherung (Screenshot, Handyvideo) den Verkäufer freundlich aber zielgerichtet kontaktieren. Erfolgt hier keine Einigung und liegt ein krasser Verstoß vor, sollte ein Anwalt konsultiert werden.

Und die Abmahnung von Petra auf Dawanda?

Die Aufregung um die Abmahnung von Petra auf Dawanda war natürlich groß. Zahlreiche schlaflose Nächte und aus Trotz das ganze schöne Vorhaben über Board zu werfen und eigene Handarbeiten nicht mehr zu veröffentlichen, ist nachvollziehbar. Ein Anwalt wurde eingeschaltet. Schlussendlich konnte man sich mit dem abmahnenden Verlag einigen. Die letztendlichen Kosten durch die involvierten Anwälte übersteigen die geforderte Summe der Abmahnung i.H.v. 1.500 EUR jedoch deutlich.

Da muss nicht nur eine alte Frau lange für stricken häkeln.

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Geschrieben von Mark

Wohnt in Hamburg. Stammt aus Köln, absolvierte dort sein Designstudium. Hatte die Idee zu sockshype 2010, als er täglich zur einer Werbeagentur nach Düsseldorf pendelte.

2 Kommentare

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  1. Ich bin zwar pro Urheberrecht, aber trotzdem fände ich es schön, wenn sich große Konzerne und kleine Dawanda-Shop-Betreiber in solchen Fällen ohne Anwalt einigen könnten; die machen das sicher, um andere abzuschrecken, aber sympathisch ist das nicht unbedingt…

    • Hallo Katha, das sehe ich ähnlich wie du. Eine friedliche, außerjuristische Einigung wäre ein gangbarer Weg oder ein Unternehmen erkennt seinen Mehrwert und nutzt diesen für sich. Abmahnungen im Onlinegeschäft sind dennoch beliebt, da z.B. ein Verlag zusätzliche Gewinne am Autor eines Buches vorbei schleusen kann.
      Hoffen wir auf Weitsicht der Unternehmen und Kommunikation, die einem nicht den Schlaf raubt. Gerade in unserem Handarbeitsbereich.

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