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Offener Brief an Felicitas von Süddeutsche.de

süddeutsche Offener Brief an Felicitas von Süddeutsche.de

Felicitas Kock veröffentlicht auf Süddeutsche.de den Artikel “Maschen voller Liebe” und erregt damit die Gemüter der Stricker. Was vielleicht humorvoll gedacht ist, erweist sich nach Meinung der Kommentatoren als “selbst […] konstruiert”, “der Versuch, witzig zu sein” oder sie vermuten den Ärger in den “handarbeitlichen unzulänglichkeiten” der Autorin.

Dass ausgerechnet Handarbeiter diesen Artikel kommentieren beweist aber, dass der Bereich Fashionspießer auf süddeutsche.de durchaus auch diese Zielgruppe unterhalten kann.

Ein offener Brief an Felicitas von Süddeutsche.de:

Liebe Felicitas,

ich erlaube es mir einfach mal dich zu duzen, weil man das unter Strickern so macht. Oder bist du gar keine Strickerin? Verstehe mich nicht falsch, ich möchte lediglich die Intention deines Beitrages der Süddeutsche.de nachvollziehen können – so wie Nicole, Wiebke und Ferdinand. Einige verbuchen deinen Artikel als humorvolle Kolumne. Dafür müsstest du, zumindest für den Konsens, jedoch 1 – 2 Prisen Humor hinzufügen, um es mit hausmütterlichen Begriffen anschaulich zu verdeutlichen.

Stelle mich bitte nicht imaginär in den Kreis der Klugscheißer, Felicitas, aber die Grundlage einer jeden journalistischen Tätigkeit ist doch die Ermittlung der Zielgruppe. Wer soll mit diesem Beitrag erreicht werden? Auf welches gesellschaftliche, grüne Thema – das magst du doch am liebsten – möchtest du hinweisen? Als journalistische Kunst bezeichne ich es, wenn du es nicht bloß schaffst geschickt themenbezogene Begriffe sinnhaft neu zu verstricken, sondern deinen kritischen Lesern zustimmende Kommentare zu entlocken. Ersteres hast du drauf.

es macht glücklich sich ein Kleidungsstück gestrickt, genäht oder gehäkelt zu haben, das ökologisch und sozial verträglich ist

Ich möchte dir, liebe Felicitas, nicht jeden Punkt missbilligend unter die Nase reiben. Das machen bereits die Kommentatoren, die teilweise sogar so erbost sind, dass sie stolz, überdies mit ihrem richtigen Namen das Image der Handarbeiter wieder gerade ziehen und ordentlich vernähen. Viel eher möchte ich dir deine zukünftige Zielgruppe, die grüne Gesellschaft, etwas allgemeiner beschreiben, bevor du dich weiterhin mit falschen Wort-Waffen z.B. in eine Höhle voller Analphabeten begibst:

In deinem Artikel “Maschen voller Liebe” hast du zwei Gruppen zu Unrecht vermischt. Ohne dich in deinen Fähigkeiten persönlich angreifen zu wollen, könnte dies ein Indiz dafür sein, dass du dich zu keiner dieser Gruppierungen zählst. Ich möchte auch nicht kleinlich sein. Machen ja alle irgendwie was mit Nadeln und Wolle und Stoffen und so.

Die eine Gruppierung der Rüschchen und kleinen Aufnäher, die du im ersten Absatz, der mich – zugegeben – auch noch amüsiert hat, beschreibst, und die Gutmenschen. Erstere Gruppe, die “Anhänger der Do-it-yourself-Bewegung” customizen (dt.: anpassen) tatsächlich Made-In-Bangladesh-Shirts. Mag gut aussehen. Geschmackssache. So wie pinke Haare. Industriell gefertigte, zerrissene Hosen erregen aber modisch auch höchstens noch das Gemüt meiner 80jährigen Nachbarin. Du siehst, hier herrscht der Drang nach Individualität einer uniformierten Gesellschaft und es ist nicht nach gesellschaftlicher Akzeptanz gefragt.

Zweiteres Lager beschreibe ich als Gutmenschen im Sinne der neuen Definition. So wie es in weiser Voraussicht dein Kollege Christian Nürnberger 2011 getan hat. Mit verheerenden Kommentaren. Ja, Felicitas, es macht glücklich, sich ein Kleidungsstück gestrickt, genäht oder gehäkelt zu haben, das ökologisch und sozial verträglich ist. Das Internet bringt – neben vielem Schlechten – auch Transparenz in einst dicke Mauern. Es beleuchtet dunkle Kapitel wie Massentierhaltung, Kinderarbeit und wo kommt eigentlich meine Wolle her? Oh Mist, soeben habe ich die tiefsten Beweggründe einer immer größer werdenden Masse ausgeplaudert. Entschuldigt bitte. Zur Beruhigung häkle ich mir jetzt mal eine Mütze. Wird kalt draußen.

Apropos kalt, Feli: Weihnachten steht vor der Türe. Plastiktüten sind kein schönes Modeaccessoire. Ich denke an eure Rubrik Stil. Schreib doch mal humorvoll über selbstgenähte Jutebeutel als stilvolle Alternative zu Plastiktüten an Weihnachten 2013. Geschickt recherchiert und formuliert bringst du zumindest bisher 217.673 Facebook-Nutzer der Veranstaltung “Weihnachten: lehnt Plastikbeutel ab – greift zum Stoffbeutel 2.0!” auf deine Seite.

Herzliche Grüße aus Hamburg,

Mark

süddeutsche-felicitas-sockshype-gutmenschen01 süddeutsche Offener Brief an Felicitas von Süddeutsche.de
Strukturiert korrigiert: Süddeutsche Artikel “Maschen voller Liebe”

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Geschrieben von Mark

Wohnt in Hamburg. Stammt aus Köln, absolvierte dort sein Designstudium. Hatte die Idee zu sockshype 2010, als er täglich zur einer Werbeagentur nach Düsseldorf pendelte.

Ich habe was zu sagen

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