Vor 120 Jahren meldete Whitcom Judson Patent für „clasp locker“, auf deutsch „Klemmöffner für Schuhe“ an. Die Geschichte des Reißverschluss.

Der Reißverschluss ist als Verschluss für Kleidungsstücke, Taschen, Zelte, Kissen und anderes heute nicht mehr wegzudenken. Teilweise hat er in verschiedenen Bereichen dem Knopf den Rang abgelaufen, denn er lässt sich viel leichter und schneller öffnen bzw. schließen als der gute alte Knopf.

Schon Kurt Tucholsky hat sich im Jahr 1928 seine Gedanken über den Erfinder des Reißverschlusses gemacht: „Den Erfinder des Reißverschlusses denke ich mir als einen älteren, teils vergnügten, teils mürrischen Mann: vergnügt, wenn seine Frau verreist ist, mürrisch in allen andern Lebenslagen. Er hat schütteres, weißes Haar, obgleich er noch gar nicht so alt ist; ein leicht lahmes Bein, das er unmerklich nachzieht, eine bedächtige Brille, niedrige Klappkragen, wie sie sein Großvater noch getragen hat. Er ist Deutsch-Amerikaner und heißt mit Vornamen Sam…“1)

Der Erfinder, den Tucholsky beschreibt, ist seine Phantasiefigur.

Denn tatsächlich meldete der Ingenieur Whitcom Judson ein Patent für „clasp locker“, auf deutsch „Klemmöffner für Schuhe“ an. Dies war der Vater unseres heutigen Reißverschlusses und zwar vor 120 Jahren. Nach der Patentierung wurde die Erfindung in Chicago auf der Weltausstellung präsentiert, was dazu führte, dass Whitcom Judson 1894 gemeinsam mit Lewis Walker die „Walker Universal Fastener Company“ in New York gründete. Doch der aus Kügelchen und Klemmbacken bestehende Verschluss erwies sich nicht als sehr praktikabel. Der Reißverschluss klemmte oder öffnete sich, wenn er eigentlich verschlossen sein sollte.

Es wurde weitergetüftelt am Reißverschluss. Erst der schwedische Ingenieur Gideon Sundback schaffte ein Produkt, das er sich im April 1913 für die Maschinenfertigung patentieren ließ. Im Jahr 1923 erwarb  Martin Winterhalter aus St. Gallen in der Schweiz das Patent für Europa. Sein Reißverschluss, der  aus Rillen und Rippen bestand, konnte nun serienmäßig produziert werden. In Wuppertal eröffnete er 1925 die erste europäische Reißverschlussfabrik mit Namen Riri.

Reißverschluss auf sockshype Reißverschluss Der <b>Reißverschluss</b> feiert Geburtstag

Durch den Schieber werden die Reißversclusshaken verschlossen.

In seiner Erzählung stellt Tucholsky fest: „… Kein Mensch kann sich erklären, warum, warum der Reißverschluss funktioniert. Niemand weiß es… Ich weiß es nicht. Du weißt es nicht. Wir wissen es alle nicht…“1)

Eine nette Geschichte. Doch Tucholsky wollte sicher keinen technischen Text schreiben. Wir wissen heute, dass der Reißverschluss aus zwei Stoffbändern besteht, auf dem Metall- oder Kunsstoffzähne angebracht sind. Durch einen Schieber werden die Zähne ineinandergehakt und so verschlossen. In einer anderen Variante schließt der Schieber Kunststoff- oder Metallschlaufen, die sich durch eine spiralförmige Wicklung ergeben. Ein nichtteilbarer Reißverschluss, der zum Beispiel als Verschluss in Hosen eingesetzt wird, wird mit einem Endteil als Bremse für den Schieber versehen. Damit in Jacken einfach hineingeschlüpft werden kann, werden hier Reißverschlüsse verwendet, die teilbar sind.

teilbarer Reißverschluss auf sockshype Reißverschluss Der <b>Reißverschluss</b> feiert Geburtstag

teilbarer Reißverschluss für Jacken

Soll die Jacke von oben und von unten geöffnet werden, wird ein Reißverschluss mit zwei Zippern benötigt.

Reißverschluss mit zwei Schiebern auf sockshype Reißverschluss Der <b>Reißverschluss</b> feiert Geburtstag

Reißverschluss mit zwei Schiebern

Die Hersteller von Reißverschlüssen bieten ihr Produkt in verschiedenen Längen und zahlreichen Farben an. Es werden sogar Reißverschlüsse mit unterschiedlich gefärbten Metallzähnen, mit reflektierenden Streifen oder mit Strasssteinen angeboten. Das nutzen auch die Modedesigner. Sie verwenden ihn nicht nur funktional als Verschluss, sondern setzen ihn sichtbar  als betonendes Detail in ihren Outfits ein. So wird der Reißverschluss zum eleganten Hingucker auf ausgefallenen Kleidern, Schuhen, Taschen usw.

Wer viel näht, greift gerne zu einer preiswerten Variante, zum Reißverschluss am laufenden Meter.

Reißverschluss am laufenden Meter auf sockshype Reißverschluss Der <b>Reißverschluss</b> feiert Geburtstag

Reißverschlüsse am laufenden Meter.

So werden bei Reißverschlüssen am laufenden Meter Schieber eingesetzt:

 

Wenn Reißverschlüsse nicht mehr richtig funktionieren, ist in der Regel der Schieber defekt. Bisher bedeutete das, dass der komplette Reißverschluss ausgetauscht werden musste. Die schwedische Firma Zip Clip Solutions hat eine Lösung für das Problem: den ZlideOn-Schieber. Der alte Schieber wird mit einer Zange entfernt, der geöffnete ZlideOn-Schieber wird eingesetzt und dann geschlossen. So ist ein aufwendige Austauschen überflüssig.

1)   Aus Kurt Tucholsky – Wie sieht der Erfinder des Reißverschlusses aus?

Quellen:

http://www.weltdererfinder.de/wer-erfand-wann-den-reissverschluss/

http://www.textlog.de/tucholsky-erfinder.html

http://www.youtube.com/user/congabaeren/videos

Ein Dank gilt Gabriele Conrath, die uns ihr Video zur Verfügung gestellt hat.

 

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