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Färberin Maike Schnichels – Das Regenbogenschaf im Interview

Das Regenbogenschaft - Titelbild Färberin Maike Schnichels – Das Regenbogenschaf im Interview

„Ich bin Frisörin und Garnfärberin mit Leib und Seele“, so beschreibt sich Maike Schnichels, in der Wollszene bekannt unter dem Namen Das Regenbogenschaf. Und das glaubt man der sympathischen jungen Frau sofort, wenn sie nämlich über ihren Friseursalon „Hairlich“ in der Heidestraße 129 in Frankfurt spricht. Hier werden nicht nur Haare gefärbt, sondern auch ihre Regenbogenschafe, wie sie liebevoll ihre selbstgefärbten Garne nennt. Wollbegeisterte können dann gleich den Salon mit einer schicken Frisur und einer Tüte herrlich weicher, edler Wollstränge verlassen.

Ich habe Maike bei Paul Pascuali kennengelernt und mich mit der Pascuali-Exclusiv-Färberin zu einem Interview verabredet.

Hallo Maike, ich freue mich sehr, dich als erste Färberin auf sockshype vorstellen zu dürfen.

Eigentlich ist die Kombination Haare und Wolle gar nicht so abwegig, denn ein Scherer ist ja im eigentlichen Sinne der Frisör von Schaf, Alpaka und all den anderen Tieren, deren Vlies zu Strickgarnen verarbeitet werden. Doch du bist die erste, von der ich gehört habe, die eine solche Geschäftskombination betreibt. Wie bist du auf die Idee gekommen, beides zu verbinden?

Das Regenbogenschaf - Wolle im Frisiersalon Färberin Maike Schnichels – Das Regenbogenschaf im Interview
Ein besonderes Geschäftsmodell, die Kombination von Wolle und Frisörsalon

Mich haben immer schon Farben begeistert. Farbkombinationen zusammenstellen, ob es nun in Form von verschiedenen Strähnentechniken auf den Köpfen der Kundinnen ist oder auf verschiedenen Garnen.

Das Regenbogenschaf - Gespräch mit Kundin Färberin Maike Schnichels – Das Regenbogenschaf im Interview
Die Kunden kommen gerne ins Hairlich, denn, neben schicken Haarschnitten, sind die edlen, handgefärbten Garne gefragt.

Als ich im Februar 2015 meinen Salon in der Heidestrasse 129 bezog bot es sich an, beides zu kombinieren. Bei meinen Kunden kommt dieses Konzept sehr gut an und es ermöglicht mir mehr Zeit für Kreativität. Dazu kommt, dass nun Wollbegeisterte die Wolle direkt vor Ort kaufen können.

Das Regenbogenschaf - Hund Egen im Salon Färberin Maike Schnichels – Das Regenbogenschaf im Interview
Egon, Maikes Belgischer Schäferhund, ist überall dabei – auch im Frisörsalon.

Als große Tierliebhaberin folgen dir zwei Schäferhunde auf Schritt und Tritt. Egon konnte ich ja schon persönlich kennenlernen. Ja, und seit 2004 hast du sogar eine kleine Herde ostpreussischer Skudden. Erzählst du uns ein wenig über deine Schafe und wie sie dich an die Themen Wolle und Färben herangeführt haben? 

Das Regenbogenschaf - Skuddenherde Färberin Maike Schnichels – Das Regenbogenschaf im Interview
Maikes kleine Skuddenherde, die täglich von ihr versorgt werden.

Die Versorgung der Skudden ist im Sommer eher einfach, da es eine sehr robuste Rasse ist, die dann nicht extra zugefüttert werden müssen. Im Winter bedeutet es allerdings, jeden Tag Rauhfutter (Heu und Stroh) und natürlich Wasser zu den Schafen zu bringen. Einmal im Jahr werden sie geschoren, dazu kommt ein professioneller Schafscherer. Das ist wesentlich entspannter für die Tiere. Pro Schaf dauert die Schur nur wenige Minuten. Das Vlies verspinne ich nach dem Kardieren mit dem Spinnrad zu extrem wärmender Wolle, die sich auch zum Filzen sehr gut eignet. Mittlerweile verwende ich die Wolle meiner eigenen Schafe in Naturfarben, da ich kein weisses Schaf mehr habe. Aber den Einstieg in die Wollfärberei habe ich mit ihrer Wolle gemacht.

Du hast mir erzählt, dass du keine besonderen Lieblingsfarben, aber spezielle Farbphasen hast. Was bewegt dich, jetzt eher Farbtöne wie Türkis, Petrol oder Blau/Grau zu verwenden; vorher gehörten Violett, Pink, Purpur und Orange zu deinen bevorzugten Farben?

Ich versuche immer mit offenen Augen durch die Natur, den Wald zum Beispiel, zu laufen und lasse mich sehr gerne von ihren Farbspielen inspirieren. Licht, Bäume, Laub, Früchte, Beeren, Blumen. Es gibt immer wieder neue Farbkombinationen zu entdecken. Aber natürlich finde ich auch in der Mode und in meinem Beruf immer wieder neue Ideen für Farben und deren Kombinationen. Das Thema Farbe ist ein steter Begleiter in meinem Alltag.

Wie würdest du deine Färbungen beschreiben?

Das Regenbogenschaf - Farbenspiel Färberin Maike Schnichels – Das Regenbogenschaf im Interview
Ein apartes Farbenspiel in diesen Strängen.

Farbenreich aber nicht zu grell oder zu bunt. Ich färbe sehr gerne mit mehreren Farben in einem Strang, die sich zu vielfältigen Farbspielen ergänzen.

Du färbst jetzt ausschließlich Pascuali-Garne. Was magst du besonders an diesen Garnen und wie bist zu zur Pascuali-Färberin geworden?

Das Regenbogenschaf - Maike Schnichels und Paul Pascuali Färberin Maike Schnichels – Das Regenbogenschaf im Interview
Maike Schnichels und Paul Pascuali

Pascuali steht für beste Garne in ausgesprochen hoher Qualität. Neben den edlen und seltenen Garnen liegen der Firma Pascuali die artgerechte Haltung der Tiere sowie fair gehandelte und ökologisch produzierte Produkte am Herzen. Das beeindruckte mich von Anfang an als ich Paul Pascuali Anfang 2016 kennenlernte. Die Farmen, auf denen die Tiere leben werden von Paul Pascuali regelmässig besucht. Hierbei steht das Wohl der Tiere sowie auch der Farmer im Fokus. Für mich als grosser Tierliebhaber ein sehr wichtiger Aspekt und es macht noch mehr Freude, mit diesen edlen und luxuriösen Naturprodukten zu arbeiten.

Du färbst deine Garne in deinem Frisörsalon. Dabei verwendest du sicherlich keine Produkte aus dem Frisörbereich. Womit zauberst du so herrliche Farben bei deinen Regenbogenschafen?

Ich verwende spezielle Farben für Wolle und fixiere mit Zitronensäure. Mit Haarfarben habe ich noch keine Experimente gemacht, da hier die Farbvielfalt doch eher eingeschränkt ist.

Du färbst nicht nur, sondern bist ein wahrliches Handarbeitsallroundtalent. Nähen, Stricken, Häkeln, Spinnen mit Rad und Spindel – all das machst du auch. Welche Bedeutung hat das Handarbeiten für dich?

Das Regenbogenschaf - Tuch Wellenreiter Färberin Maike Schnichels – Das Regenbogenschaf im Interview
Das Tuch – der Wellenreiter – entworfen von Maike. Die Anleitung findet ihr in ihrem Shop.

Es ist für mich Entspannung und auch Inspiration. Ich kann wunderbar dabei vom Alltag „abschalten“ und die Gedanken schweifen lassen. Meist kommen mir beim Stricken oder Spinnen auch die besten Ideen für Muster und Farben. Und es macht soviel Spass und Freude mit edlen und schönen Materialien spielen zu können.

Wer jetzt auf die Regenbogenschafe aus dem Färbebad von Maike Schnichels neugierig geworden ist, ist sicher bei dir im „Hairlich“ herzlich willkommen und können deine Wollstränge anschauen, fühlen und kaufen. Kunden außerhalb von Frankfurt finden deine Produkte, und da gehören neben den Garnen auch Anleitungen und Stricknadeln zu, in deinem Onlineshop. Du bietest deine Garne aber auch in einer Facebook-Gruppe an. Wie funktioniert der Kauf hier?

Es gibt regelmäßig Verkaufsveranstaltungen. Zum angegebenen Zeitpunkt lade ich ein sogenanntes Verkaufsalbum hoch, indem alle angebotenen Garne mit Beschreibung und Preis zu sehen sind. Ab einem bestimmten Zeitpunkt kann mittels Kommentar gekauft werden. Meist geht so ein Verkauf 24 Std oder auch ein komplettes Wochenende.

Liebe Maike, vielen Dank für deine interessanten Antworten. Ich wünsche dir weiterhin viele kreative Ideen, immer ausreichend Farbe und tolle Garne, die in deinen Farbtöpfen zu farbenfrohen Regenbogenschafen werden.


Infos zu Maike Schnichels – Das Regenbogenschaf

Hairlich / Das Regenbogenschaf e.K.
Inhaber: Maike Schnichels
Heidestr 129
60385 Frankfurt
Deutschland

Tel.: 0173-3836545
E-Mail: shop@das-regenbogenschaf.com

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Geschrieben von Barbara

Kommt aus Köln. Tüftelt täglich an neuen Ideen & Anleitungen. Besucht gerne Handarbeitsmessen und knüpft immer zufällig neue Kontakte. Sie ist die erfahrenste Strickerin unter den Autoren. Alle Artikel von Barbara ansehen.

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