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Gleichmäßiges Maschenbild stricken

gleichmäßiges Maschenbild
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Vor kurzem las ich unter dem Kommentar zu einem Bild mit meinen Pulswärmern Kathrin “Wie gelingt es nur, so gleichmäßig zu stricken.” Welch ein Kompliment! Doch es hat mich auch zum Nachdenken angeregt. Ja, es hat schon etwas mit jahrelanger Übung zu tun. Allerdings hat das gleichmäßige Maschenbild bei meinen gezeigten Pulswärmern Kathrin auch den Grund, dass ich hier in Runden arbeite, also überwiegend nur rechte Maschen stricke. Stricke ich in Hin- und Rückreihen, dann kann es bei glatt rechten Strickteilen auch mal nicht ganz so gleichmäßig sein.

Die Ursache für ein ungleichmäßiges Maschenbild

Wenn wir uns mit dem gleichmäßigen Maschenbild befassen wollen, müssen wir zunächst klären, warum glatt rechts Gestricktes in Runden und Reihen unterschiedlich aussehen kann.

In Runden stricken wir nur rechte Maschen, während wir beim Reihenstricken mit rechten und linken Maschen arbeiten. Die linken Maschen sind also die Ursache an diesem Übel. Anders ausgedrückt, wir stricken rechte und linke Maschen nicht gleich groß.

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Ungleichmäßiges Maschenbild durch linke Maschen.
Ungleichmäßiges Maschenbild durch linke Maschen.

Warum werden die linken Maschen größer?

Viele stricken linke Masche auf die westeuropäischen Strickweise. Dabei legt die Strickerin/der Stricker den Arbeitsfaden gegen den Uhrzeigersinn, also von oben um die Nadel, bevor sie/er ihn dann durch die Masche zieht. Dieses Umwickeln ist notwendig, damit die linken Maschen in der gleichen Richtung auf der Nadel liegen wie die rechten Maschen. Es hat allerdings auch zur Folge, dass zunächst im Vergleich zur rechten Masche mehr Arbeitsfaden benötigt wird, um die Masche zu bilden. Zieht die Strickerin/der Stricker den Faden dann nicht genügend an, wird die linke Masche lockerer als eine rechte Masche.

Gleichmäßiges Maschenbild - beim Stricken linker Maschen mit der westeuropäischen Stricktechnik kann es vorkommen, dass die Maschen zu groß werden.
Bei dieser Methode wird der Arbeitsfaden von oben um die rechte Nadel gewickelt, ehe sie durch die Masche gezogen wird.

Warum erhalten die einen gleichmäßiges Maschenbild und die anderen nicht?

Das Ganze ist nicht unbedingt ein Anfängerproblem. Auch erfahrener Strickerinnen/Stricker sind oftmals unglücklich über ein nicht gleichmäßiges Maschenbild. Die amerikanische Strickdesignerin Elizabeth Zimmermann verzichtete aus diesem Grund nach Möglichkeit sogar auf linke Maschen.

Und dann gibt es Glückliche, die gar nicht verstehen können, worüber wir hier reden. Sie haben von Anfang an ein einheitliches Strickbild bei glatt rechts gestrickten Projekten. Das sind die Feststricker. Sie ziehen den Arbeitsfaden sowohl bei rechten wie auch bei den linken Maschen so fest um die Nadel, dass der Maschenbogen bei allen Maschen die gleiche Größe hat.

Welche Möglichkeiten gibt es, die linken Maschen genauso groß zu arbeiten, wie die rechten?

Wir wissen nun, warum einige Strickerinnen/Stricker mit ihrem Strickbild bei glatt rechten Strickstücken Schwierigkeiten haben. Wenn du dazu gehörst und ein gleichmäßiges Maschenbild erreichen möchtest, dann probiere doch folgende Tipps aus und finde für dich die optimale Lösung.

Gleichmäßiges Maschenbild durch Regulierung der Fadenspannung

Zunächst einmal wickelst du den Arbeitsfaden zweimal um deinen linken Zeigefinger. Du strickst in der Rückreihe eine linke Masche. Nachdem du die ursprüngliche Masche von der linken Nadel hast gleiten lassen, hebst du den linken Zeigefinger nach links und ziehst damit die neue Masche auf der rechten Nadel fest. Damit sie sich nicht wieder löst, arbeitest du gleich die nächste linke Masche.

gleichmäßiges Maschenbild - Fadenspannung
Fadenspannung durch mehrmaliges Umwickeln

Die linken Maschen anders stricken und gleichmäßiges Maschenbild erreichen

Ich habe schon einmal in einem Beitrag berichtet, dass du die linke Masche auch auf andere Weise stricken kannst. Dazu führst du den Arbeitsfaden im Uhrzeigersinn, von unten um die Nadel und ziehst ihn durch die Masche. Das ist total einfach. Ein kompliziertes Wickeln entfällt. Der Faden, den du ohne die Wicklung durch die Masche ziehst, hat ungefähr die gleiche Länge wie bei einer rechten Masche. Deshalb dürften hier deine linken Maschen genauso groß werden, wie deine rechten. Die einzige Besonderheit ist, rechte und linke Maschen liegen unterschiedlich auf der Nadel. Bei rechten Maschen liegt das linke Maschenbeinchen hinten, bei den linken Maschen das rechte Maschenbeinchen. Das hat zur Folge, dass du die Maschen anders abstrickst. Aus Erfahrung kann ich sagen, daran gewöhnst du dich schnell.

Gleichmäßiges Maschenbild durch Combined Knitting
Bei der einfacheren Methode wird der Arbeitsfaden von unten direkt durch die Masche gezogen.

Unterschiedliche Nadelstärken verwenden

Um ein gleichmäßiges Maschenbild in Reihen zu erreichen, wählst du für die Nadel, mit der du die Maschen der Rückseite, die linken Maschen, strickst, eine viertel bis eine halbe Nadelstärke kleiner. Arbeitest du mit Rundstricknadeln eigenen sich dafür sogenannte Nadelsysteme mit einzelnen Nadelspitzen, die du mit separaten Seilen verbindest. Hier wählst du zwei Nadelspitzen aus, eine für die Hin-, die andere für die Rückreihe. Wobei letztere eine kleinere Nadelstärke hat.

Gleichmäßiges Maschenbild - unterschiedliche Nadelstärken
Gleichmäßiges Strickbild - unterschiedliche Nadelstärken

Rückwärts stricken

Für kleinere Arbeiten, die in Hin- und Rückreihen gearbeitet werden, wie zum Beispiel verkürzte Reihen oder die Fersenwand bei Socken, eignet sich auch die Möglichkeit des Rückwärtsstrickens. Dazu beendest du zunächst die Hinreihe. Du wendest aber nicht, sondern strickst die Maschen zurück. Auf YouTube habe ich hierzu ein Video entdeckt, in dem das gut erklärt wird.

Ein Entspannungsbad löst kleine Unregelmäßigkeiten und sorgt für ein gleichmäßiges Maschenbild

Sobald das Strickstück fertig gestellt, ist ein Entspannungsbad angesagt. Die kleine Schönheitskur dient zum einen der Reinigung, sorgt aber auch für ein schöneres, gleichmäßiges Maschenbild. Kleine Unregelmäßigkeiten können so ausgeglichen werden.

Stricken ist Handarbeit

Ich selber versuche ein gleichmäßiges Maschenbild über die Fadenspannung zu erreichen. Wenn es mal nicht gelingen will, dann ist in der Regel Unkonzentriertheit ein Grund dafür. Wenn das passiert, dann ist meist Ribbeln angesagt. Doch dabei denke ich gerne an meine liebe Freundin Gaby, die uns viel zu früh verlassen hat. Ribbeln kam für sie nämlich nicht in Frage, denn sie hatte die Devise:

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“Das ist Handarbeit. Irgendwo muss man doch sehen können, dass das nicht mit der Maschine gestrickt wurde.”

Freundin Gaby

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Geschrieben von Barbara

Kommt aus Köln. Tüftelt täglich an neuen Ideen & Anleitungen. Besucht gerne Handarbeitsmessen und knüpft immer zufällig neue Kontakte. Sie ist die erfahrenste Strickerin unter den Autoren. Alle Artikel von Barbara ansehen.

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